Iranerinnen riskieren nach asien-cup-protest alles – sechs bleiben in australien

Sie schwiegen sich die Seele aus dem Leib, jetzt hängt ihnen ein Staat an den Fersen. Nach dem Asien-Cup-Vorrundenaus haben sechs Spielerinnen der iranischen Frauennationalmannschaft das Flugzeug nach Teheran verpasst – und damit möglicherweise ihre Zukunft gerettet.

Stiller boykott wird zum schicksalsschnitt

Als sie vor dem Auftaktspiel gegen Südkorea die Hymne nicht mitsangen, ahnte niemand, wie schnell Provokation in Lebensgefahr umschlägt. Drei Tage später sangen sie schon, salutierten sogar – vergeblich. Die Bilder gingen um den Globus, die Revanche der Mullah-Medien folgte: „Verräterinnen“, „westliche Marionetten“. Was in Doha auf dem Platz begann, endete in Tony Burkes Büro – Australiens Einwanderungsminister öffnete binnen 24 Stunden ein humanitäres Notprogramm.

Trump mischte sich ein, Twitter-Feuerwerk inklusive: „Wenn Australien sie nicht nimmt, werden wir es tun.“ Die australische Regierung handelte schneller als der US-Präsident posten konnte. Sechs Anträge wurden durchgewunken, eine siebte Spielerin entschied sich in letzter Sekunde doch für den Rückflug – und lieferte augenblicklich den nächsten Cliffhanger. Burke: „Sie kontaktierte die iranische Botschaft, wir mussten Standorte schützen und Leute verlegen.“

Knapp 30 stunden angst zwischen sydney und kuala lumpur

Knapp 30 stunden angst zwischen sydney und kuala lumpur

Die Sydney Morning Herald-Reporter begleiteten die Delegation bis zum Gate. Tränen, Telefonate, ein Flugattendant, der die Economy-Kabine zur Stummzone erklärte. Eine Spielerin deutete auf die Betreuerin: „Ich darf nicht mit Ihnen sprechen.“ In Kuala Lumpur wartete bereits Irans Botschafter am Flugsteig – wie ein Geleit für die, die sich umentschieden haben. Von dort geht’s über Istanbul nach Teheran, wo „offene Arme“ winken, l Außenamtssprecher Ismail Baghai verspricht es auf X. Klingt nach Umarmung, kann Knast bedeuten.

Die sechs, die in Australien bleiben, sind noch namenlos, aber nicht länger unsichtbar. Ihr Schweigen beim Abpfiff hat ein Nachspiel, das länger dauert als jede Asien-Cup-Kampagne. Die, die jetzt in den Iran zurückkehren, tragen dieselben Trikots – aber nicht mehr das gleiche Leben.