Embolo allein reicht nicht: yakins wm-sturm wird zur lotterie

3:4 gegen Deutschland – drei Tore, drei Gesichter, null Gewissheit. Die Schweizer Nati schoss sich in Köln zwar selbstbewusst ins WM-Jahr, doch wer neben Breel Embolo das Netz in den USA zum Beben bringen soll, bleibt ein offener Schlagloch-Pass.

Das backup-rätsel: amdouni, okafor oder ein neuling?

Murat Yakin hat sieben Plätze frei, zwei davon sind auf dem Papier Stürmer. Embolo ist gesetzt, danach wird es ungemütlich. Zeki Amdouni kehrt gerade aus dem Knie-Training zurück, Noah Okafor flog wegen Oberschenkelproblemen nach, durfte aber gegen Deutschland nicht einmal jubeln. Beide haben 60 Tage, um ihre Fitness und ihre Tormaschine zu synchronisieren. Wer zuerst trifft, erhält das Ticket. Wer zuletzt trifft, sitzt im Juni möglicherweise zu Hause.

Dahinter lauert Alessandro Vogt. Der 23-Jährige vom künftigen Hoffenheimer Leih-Sturm der TSG 1899 hätte schon im März dabei sein können, wäre nicht ein Syndesmose-Riss dazwischengekommen. In St. Gallen hat er in 21 Spielen neun Mal eingeschlagen – bessere Quote als Amdouni in der Premier League. Die Frage ist nicht, ob er nominiert wird, sondern ob Yakin ein zweites Mal auf ein Talent setzt, das noch kein einziges Länderspiel-Jahr auf dem Buckel hat.

Die flügel sind besetzt – oder etwa nicht?

Die flügel sind besetzt – oder etwa nicht?

Dan Ndoye und Ruben Vargas schienen sicher. Doch Ndoye liefert nur Phasenstärke, Vargas liefert nur Phasen. Beide können rechts, beide können links, beide können wechseln – und beide können vor dem Tor noch einen Zahn zulegen. Fabian Rieder wird als Achter nominell geführt, in der Praxis rückt er aber immer öfter in die Halbposition vor dem Strafraum. Seine drei Vorlagen in der Rückrunde für Augsburg waren keine Zufälle, sie waren Warnschüsse an die etabrierten Flügel.

Die Konkurrenz schläft nicht. Joel Monteiro erzielte gegen Norwegen das 1:0 und machte sich mit seinem sechsten Saisontreffer unsterblich bei den Fans, nicht aber bei Yakin. Christian Fassnacht liefert Zahlen (15 Tore, 7 Assists), aber kein Gesamtpaket. Kwadwo Duah schoss sich bei Ludogorets in Form, steht aber in der zweiten bulgarischen Reihe. Und Andi Zeqiri? Drei Tore in Polen – das reicht nicht einmal für die polnische Nationalmannschaft.

Die zeit läuft – und die gegner auch

Die zeit läuft – und die gegner auch

Am 31. Mai testet die Nati gegen Jordanien, am 15. Juni folgt die letzte Probe. Wer bis dahin nicht überzeugt, fliegt raus. Die Tore gegen Deutschland waren ein Ausrufezeichen, aber kein Freifahrtschein. Embolo wird in den USA seine sechste Endrunde bestreiten – mit oder ohne Backup. Die Entscheidung fällt in den nächsten acht Wochen, nicht auf dem Trainingsplatz in Bad Ragaz, sondern auf den Rasen von Augsburg, Burnley und St. Gallen. Dort wird geschossen, dort wird gelitten, dort wird gejubelt – und dort wird auch entschieden, wer im Juli in Dallas, Vancouver oder Los Angeles das 4:4 erzielt oder das 1:0. Die Schweiz braucht Tore. Die Uhr tickt. Die Konkurrenz auch.