Eitrem stürzt superstar stolz vom thron – norwegens eis-comeback der extraklasse

Ein Schock für Amerika, ein Triumph für Norwegen: Sander Eitrem hat in Heerenveen Jordan Stolz aus dem Allround-Thron geschossen und sich zum ersten Mal zum Weltmeister des Vierkampfs gekürt. Der 24-Jährige ließ den Shootingstar aus Wisconsin beim 10 000 m-Großfinale regelrecht hinter sich versinken – und das mit einem Vorsprung von fast einer halben Runde.

Stolz, erst 21, kam als Gold-Favorit ins Thialf, hatte nach 500 und 1 000 m sogar zwischenzeitlich geführt. Doch auf der doppelten Distanz zeigte sich seine Achillesferse: Die langen Bahnen fraßen seinen Vorsprung auf, die Beine zitterten, die Konzentration riss. Am Ende reichte es nur zu Platz vier – die erste Niederlage nach 14 Monaten ohne Kreuzbandriss und mit 13 Weltcup-Siegen in Serie.

Eitrem nutzt die lücke und jagt historisches gold

Während Stolz die Kufen rauf und runter fluchte, feierte Eitrem den größten Tag seiner Karriere. Mit 1500 und 10 000 m in Bestzeit riss er die WM-Krone an sich – und schrieb als erster Norweger seit 1938 Geschichte. Dahinter landete Metodej Jilek auf Silber, Bronze ging an Vladimir Semirunniy. Die Trophäe? Ein 3,5-Kilo-Eiskristall – für Eitrem so schwer wie die Last der Jahre, in den er im Schatten der Niederlande lebte.

Der deutsche Traum hielt sich in Grenzen. Gabriel Groß, Sohn von Biathlon-Legende Ricco Groß, krallte sich Rang neun – ein Erfolg, gemessen an seiner WM-Premiere. Tom Rudolph und Luca Matteo Stibenz folgten auf 19 und 20. Bei den Frauen lagen Lea Sophie Scholz (16) und Josie Hofmann (19) weit abgeschlagen zurück. Gold ging an Ragne Wiklund – ebenfalls Norwegen, ebenfalls ein Novum.

Skandal im deutschen lager überschattet das spektakel

Weil Felix Maly und Fridtjof Petzold fehlten, standen nur fünf Deutsche am Start. Petzold wurde nach Kritik am Verband suspendiert, Maly verzichtete solidarisch. Die DESG steht unter Beschuss, die Athleten fordern personelle Konsequenzen. Die Leistung von Heerenveen wird so zur Zäsur – nicht nur für Stolz, sondern auch für den deutschen Eisschnelllauf.

Die Bilanz: Ein neuer König, ein entthrontes Genie und eine Szene, die sich neu erfinden muss. Eitrem ist jetzt der Maßstab. Und Stolz? Der muss zurück auf die lange Bahn – und beweisen, dass er nicht nur schnell, sondern auch durchhaltefähig ist.