Norwegen klaut stolz die show: eitrem wirft den superstar raus
Heerenveen – Jordan Stolz kam als Zukunft, verließ das Thialf als Vergangenheit. Der 21-jährige US-Boy, in Mailand noch Doppel-Olympiasieger, rutschte im Mehrkampf-Finale vom Thron bis auf Rang vier. Sander Eitrem schob sich zwischen den Titel und den Titelverteidiger – mit einer 10 000-m-Demontage, die in die Geschichtsbücher fliegt.
Eitrem lässt stolz überrunden – und die pulle kochen
Halbzeitstand: Stolz vorne, Norwegen winkt. Dann startet Eitrem die Jagd. 13:01,37 min über die doppelte Distanz – das sind neun Sekunden Vorsprung auf den Amerikaner, eine Runde plus 70 m. Die Überrundung kommt sieben Runden vor Schluss, das Publikum pfeift sich gegenseitig die Ohren wund. „Ich habe nur noch die Beine gerissen“, sagt Eitrem, „Jordan ist menschlich geworden.“
Silber holt sich Metodej Jilek, der Tscheche mit dem Startnummer-Loch im Helm, Bronze geht an Vladimir Semirunniy – Polens erster Podestplatz seit 26 Jahren. Für Stolz bleibt die Erkenntnis: Sprint reicht nicht, wenn die Lunge auf 25 Laps Feuer fängt.

Groß springt auf, desg versinkt
Bester Deutscher wird Gabriel Groß – Neuntes, persönliche Bestleistung, aber vor allem: keine Skandalseite. Sein Vater Ricco, vier Biathlon-Olympiasieger, steht hinter der Bande und wischt sich mit einer Fahne die Schweißperlen ab. Tom Rudolph und Luca Matteo Stibenz folgen auf 19 und 20, mehr war nicht drin.
Die wahre Story aber läuft neben der Bahn. Felix Maly und Fridtjof Petzold fehlen – der eine suspendiert, der andere solidarisch. Die DESG steht mit dem Rücken zur Wand, der Präsident verweigert Kommentare, die Athleten sprechen von „Schadensersatz statt Sport“. Was in Heerenveen hätte gefeiert werden können, wird zum Lehrstück über Macht und Missmut.

Wiklund knackt 86 jahre alte marke
Bei den Frauen schreibt Ragne Wiklund Geschichte – erste Norwegerin seit 1938, die den Mehrkampf gewinnt. Lea Sophie Scholz und Josie Hofmann landen abgeschlagen auf 16 und 19, die deutsche Staffel also ohne Medaillenduft. Wiklund lächelt, zuckt mit den Schultern: „Ich wollte nur Skaten, nicht Rekorde.“
Am Ende zählen Zahlen: Norwegen holt Doppelgold, die USA trauern um ihren verletzten Superstar, Deutschland sammelt Frust. Die WM ist vorbei, die Rechnung für die DESG beginnt erst.
