Eisbären knüppeln straubing nieder und stoppen playoff-blamage

49 Sekunden Powerplay, ein Handgelenksschuss, ein Eisstadion, das zu kochen beginnt – damit haben die Eisbären Berlin die Serie gegen Straubing in zwei Nächten vom Abgrundzurückgeholt und die eigene Fanszene vor einem Kollaps bewahrt.

Stettmer wird vom buhmann zum matchwinner

Jonas Stettmer hatte in Spiel eins noch den Fehlstart mit 0:3 nach 133 Sekunden mitgemacht, nun parierte er in der 51. und 53. Minute zwei Granaten aus kurzer Distanz und riss die Arme hoch, als hätte er das Pokalfinale gewonnen. Die Zahlen hinter seinem Rück: 32 Schüsse, 31 gehalten, eine Fangquote von 96,9 Prozent – das rettet nicht nur einen Abend, sondern eine komplette Saison.

Die Tore davor erzielte Ty Ronning, der sich mit seinen beiden Treffern in Serie schon jetzt den Playoff-Heldenstatus verdient hat. Erst stocherte er den Puck nach Müllers Solo quer vorbei an Haukeland ins leere Tor, dann jagt er aus dem Slot einfach mal mit dem Handgelenk oben rechts ein – so kalt, dass selbst die 8.231 Zuschauer kurz den Atem anhielten.

Straubing läuft heiß, berlin bleibt kühl

Straubing läuft heiß, berlin bleibt kühl

Die Tigers hatten sich mit aggressiven Forechecking und schnellen Umschaltmomenten in Spiel eins in die Köpfe der Berliner gebrannt. Diesmal aber antworteten die Hausherren mit einem System, das fast schon altmodisch wirkt: hinten dicht, vorne eiskalt. Die 18 Strafminuten der Gäste nutzten die Eisbären gnadenlos aus, vor allem durch die Überzahl, die zum Siegtor führte.

Coach Serge Aubin wechselte seine Reihen durch, stellte Sturmketten um und stützte sich auf die Erfahrung von Marcel Noebels, der in Überzahl 23 Sekunden Vorarbeit leistete und danach jedes Mal wie ein Boxer zurück in die eigene Zone düste. Die Statistik zeigt: Berlin gewann 63 Prozent der Bullys, drückte die Tigers damit in ihr Drittel und verhinderte damit die gefährlichen Konter, die sie in Spiel eins noch ausgebootet hatten.

Jetzt fliegt die serie nach niederbayern – und alles ist offen

Jetzt fliegt die serie nach niederbayern – und alles ist offen

Am Sonntag geht es in die Audi-Sportpark-Kühlturm-Arena nach Straubing, wo die Tigers in dieser Saison erst drei Heimspiele verloren haben. Für die Eisbären wird es darum gehen, die neue Dynamik mitzunehmen und vor allem Stettmers Selbstvertrauen nicht zu zerbrechen. Denn der Torhüter spricht nach dem Abpfiff kaum über sich, sondern über das Kollektiv: „Wenn wir so zusammenarbeiten, können wir jeden schlagen.“

Die Serie steht 1:1, aber die Botschaft ist klar: Berlin ist zurück – und das nicht nur auf dem Eis. Die Fans sangen nach dem Abpfiff „Wir sind der Hauptstadtclub“, während draußen am Ostbahnhof die ersten Frühlingslücke durch die Straßen zogen. Die Playoffs sind längst mehr als nur Eishockey; sie sind ein Stück Stadtpolitik. Und die Eisbären haben gerade bewiesen, dass sie in dieser Debatte nicht einfach wegzudiskutieren sind.

Die nächste Antwort folgt am Sonntag um 17 Uhr. Bis dahin dürfte in Berlin kein einziger Puck mehr ruhig liegen.