Di salvo rüttelt seine u 21 wach: 3:0 reicht nicht für athen
Athen liegt drei Punkte voraus, die U 21 liegt noch im Schönwetter-Modus. Der 3:0-Kantersieg gegen Nordirland war ein Sieg auf Abruf, kein Sieg nach Maß. Antonio Di Salvo stellte das Protokoll schon vor der Nachspielzeit in Frage: „Wir waren einfach zu ungeduldig.“
Ballbesug ohne biss: das rätsel des tiefen blocks
Die Statistik wollte sich schmeicheln: 72 Prozent Ballbesitz, 650 Pässe, 19 Torschüsse. Doch die Wahrheit steckte zwischen den Linien. Nordirland stellte sich hinten rein wie ein Pub-Team, das sich auf Schale sparen muss. Die deutsche Elf aber trat wie ein Boxer, der nur auf den Körper zielt, weil er das Kinn nicht findet. Erste Halbzeit: zwei Treffer von Nicolo Tresoldi, beide nach verunglückten Abprallern. Zweite Halbzeit: zwei Großchancen für El Mala und Kömür, beide vertan, weil der letzte Pass wie ein Betriebsausweis aussah: gültig, aber ohne Foto.
Di Salvos Analyse war ein Offenbarungseid. „Wir haben Nordirland eingeladen“, sagte er und meinte nicht die Tee-Bar. Er meinte jene Szenen, in denen die Abwehr plötzlich querlegte, als wäre der Rasen ein Schachbrett und der Gegner der Springer. Die Folge: zwei Konter, die hätten einschlagen können. Bei Athen reicht schon ein einziger.

Griechenland wartet mit offenen armen und scharfen zähnen
Dienstag, 18.45 Uhr, Leoforos Alexandras Stadium. Die Griechen haben ihren eigenen Fahrplan: Sieg gegen die DFB-U 21 und das EM-Ticket ist sicher. Für Deutschland winkt dann die Play-off-Hölle, ein November-Monster mit zwei Beinen und keinem netten Auswärtstor. Di Salvo kennt die Rechnung: „Wir müssen gegen diese Widerstände ankämpfen.“ Das klingt nach Heldentum, ist aber vor allem ein Appell an die eigene Kühlheit.
Die gute Nachricht: Die U 21 kann mehr als gestern gezeigt. Die schlechte: Sie muss es auch beweisen, bevor der Gegner sie daran erinnert. Griechenland spielt nicht tief, sondern hoch pressend, mit zwei Achtem, die laufen wie Marathon-Ads. Wer da den Ball verlipt, verliert auch den Spielfluss – und vielleicht die Gruppe.
Die Lösung liegt nicht in der Taktik-Schublade, sondern im Kopf. Di Salvos Training heute wird weniger Lauf als Hirn verlangen: jede Station mit kliver Vorlage, jede Vorlage mit klirrendem Ziel. 27 Tage sind es noch bis Athen. Genug, um die Geduld neu zu programmieren. Sonst schlägt das Endspiel früh – und zwar gegen die eigene Unruhe.
