Ehammer pulverisiert 14-jährigen weltrekord – neugebauers konkurrent schlägt zurück

Ein Satz reichte. Als Simon Ehammer die Zielgerade der 1000-Meter-Distanz in Torun betrat, wusste er: In 300 Metern gehört die Arena ihm. 25 Punkte fehlten noch, dann ist der Fluch des Hochsprungs endgültig vergessen. Der Schweizer sprintete, die Uhr stoppte bei 2:36,37 Minuten – und der amerikanische Mythos Ashton Eaton war Geschichte.

6.670 Punkte. So viele hatte seit 2012 niemand mehr in der Halle aufgelegt. Nun hängt die neue Bestmarke an einem 26-jährigen Berner, der im September in Tokio noch als Medaillenkandidat nach drei ungültigen Versuchen im Hochsprung das Stadion mit hängenden Schultern verließ. „Ich habe diese WM als Therapie genommen“, sagt Ehammer, noch ganz außer Atem, „und meine Therapeuten waren die 25 Zuschauer auf der Zielgeraden, die meinen Namen geschrien haben.“

Der freiluft-weltmeister fehlt – und der schweizer liefert die show

Ohne Leo Neugebauer, der nach seinem Zehnkampf-Triumph in Tokio Pause gönnt, wurde die polnische Halle zur Ein-Mann-Revanche. Ehammer startete mit 7,63 Sekunden über 60 Meter, nagelte 7,92 Meter im Weitsprung und flog 2,11 Meter über die Latte – schon nach drei Disziplinen lag er 191 Punkte vor dem Rest des Feldes. „Das war kein Sieg, das war eine Demonstration“, sagt US-Konkurrent Heath Baldwin, der mit 333 Punkten Rückstand auf Platz zwei landete. Dritter wurde Kyle Garland, ebenfalls USA.

Manuel Eitel schaffte es als bester Deutscher auf Rang neun. Der 23-jährige Hallenser kam auf 5.738 Punkte, verpasste die 5800-Marke knapp, doch sein Blick gilt schon dem Sommer: „Draußen ist meine Paradedisziplin der Stabhochsprung. In der Halle fehlt mir einfach die Laufstrecke.“

Ein schweizer, eine bestmarke – und ein ganzer sport, der aufhorcht

Ein schweizer, eine bestmarke – und ein ganzer sport, der aufhorcht

Nie zuvor hatte ein Athlet aus der Schweiz in der geschlossenen Halle einen Weltrekord aufgestellt. Das letzte Mal, als ein Eidgenosse eine globale Bestleistung überhaupt markierte, war 1995 – damals war es der Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka vorbehalten, den Europarekord zu sichern. „Ich bin kein Bubka“, lacht Ehammer, „aber ich bin jetzt der erste Schweizer, der in der Halle Geschichte schreibt – und das reicht mir vollkommen.“

Die Zahl 6.670 wird noch lange durch die Hallen hallen. Sie bedeutet nicht nur 25 Punkte mehr als Eaton, sondern auch die Antwort auf die Frage, ob Ehammers Tokio-Krise eine Einschnitt oder nur eine Delle war. Die Antwort lautet: Sie war die Rampe für den nächsten Angriff. Und der kommt – draußen, im Sommer, wenn Neugebauer wieder dabei ist.