Tigges-doppelpack rettet paderborns bundesliga-traum – kettemann lässt seine jungs jetzt in die sonne fliegen

Steffen Tigges sprang, köpfte, traf zweimal – und schickte den SC Paderborn mit einem 2:1 gegen Dynamo Dresden auf Platz zwei der 2. Bundesliga. Dann kam der Schlusspfiff, und Trainer Ralf Kettemann verordnete seiner Mannschaft sieben freie Tage. Erst der Knock-out, dann der Urlaub. So funktioniert Aufstiegsmentalität 2024.

Tigges kommt, tigges sieht, tigges entscheidet

Die erste Hälfte war ein Offenbarungseid. Paderborn wollte, konnte aber nicht. Dresden stand tief, lauerte auf Konter, ging durch ein Eigentor in Führung. Die Atmosphäre im Home Deluxe Arena kippte, die Nervosität war greifbar. Kettemann rüttelte an der Kette, schickte Tigges für die zweiten 45 Minuten aufs Feld – und der 1,93-Meter-Mann erinnerte alle daran, warum der SCP ihn im Winter aus Dortmund ausgeliehen hat.

Zwei Kopfbälle, zwei Treffer, drei Punkte. Tigges’ sechs Saisontore sind jetzt alle aus Wechselkombinationen entstanden – drei Doppelpacks, kein einzelner Treffer. Statistiker griffen nach neuen Tabellen, die Fans griffen nach den Köpfen ihrer Sitznachbarn. „Chapeau vor Tiggi“, sagte Kettemann und klang dabei wie ein Mann, der weiß, dass so ein Joker nicht jede Saison auftaucht.

Platz zwei ist kein zufall – und trotzdem nur ein zwischenstand

Platz zwei ist kein zufall – und trotzdem nur ein zwischenstand

Die Tabelle lügt nie, sagt man. Sie log auch diesmal nicht, aber sie verstellte den Blick. Am Abend trafen Darmstadt und Schalke aufeinander, beide direkte Konkurrenten. Egal wie das Spiel endete – Paderborn rutschte auf Rang drei zurück. Die Rechnung ist dennoch simpel: Bei 57 Punkten und sieben Spieltagen ist der Bundesliga-Traum realistischer denn je.

Kettemann hatte vor Wochen den Anspruch offengelegt, jetzt wiederholt er ihn laut. „Es ist klar, um was es geht“, sagt er und meint damit nicht die mediale Nebensache, sondern den Klassiker der 2. Liga: die Selbstverständlichkeit, mit der man sich selbst ein Ziel setzt, bis es weh tut. Platz sechs als Saisonziel? „Das wäre ja auch Quatsch“, kontert Tigges und lacht dabei, als hätte er das Mantra des Klubs gerade neu erfunden.

Die nächste woche gehört dem körper – danach hannover, schalke, elversberg, darmstadt

Die nächste woche gehört dem körper – danach hannover, schalke, elversberg, darmstadt

Statt Trainingslager gibt es Sonnenbrand. Kettemann schickte seine Profis nach Andalusien, um „den Körper an die Sonne zu gewöhnen“, wie Tigges es nennt. Die Spieler wollten lieber durchtrainieren, die Trainer setzten sich durch. Die Logik dahinter: Wer sich in der entscheidenden Phase nicht erholen kann, wird irgendwann die Luft anhalten – und genau dann versagt die Technik.

Die Gegner kommen im April en masse. Hannover auswärts, Schalke daheim, Elversberg im Saarland, Darmstadt erneut auswärts. Vier Duelle, die über Aufstieg oder Play-offs entscheiden können. Die Ausbeute aus den letzten sieben Spielen wird über die Zukunft des SCP bestimmen – und über die Frage, ob Tigges nächste Saison wieder nur Joker ist oder Stammspieler in der Bundesliga.

Für den Moment aber zählt nur eins: Paderborn hat seine Hausaufgabe gemacht, der Punkteabstand zur Spitze beträgt zwei Zähler. Die Mannschaft fliegt in die Sonne, die Verantwortlichen in die Videobibliothek. In sieben Tagen geht’s weiter. Dann wird sich zeigen, ob der Doppelpack gegen Dresden nur ein schönes Kapitel war – oder der Startschuss zur Rückkehr in die erste Liga.