Edwin vollmer zieht ins göppinger pantheon ein
Die EWS Arena bebte nicht nur vom Anpfiff, sondern vom Echo. In der Halbzeit des Top-Spiels gegen Magdeburg schoben Nachwuchsspieler eine riesige Tafel ins Zentrum – und die 4 500 Fans wussten sofort, dass sie Zeuge eines weiteren Kapitels Göppinger Sportgeschichte wurden. edwin vollmer, 91, Ehrenspielführer, Neunfach-Meister, Doppel-Pokalsieger, wurde als viertes Mitglied in die Hall of Fame von Frisch Auf aufgenommen.
Der mann, der kempa & co. die show stahl
Die meisten kennen Bernhard Kempa, den Jahrhundertspieler, und Horst Singer, den ewigen Torschützenkönig. Doch die Statistik, die im Foyer künftig in Bronze und Grün-Weiß glänzt, erzählt eine andere Geschichte: neun deutsche Meisterschaften, zwei Europapokalsiege – keine andere Göppinger Ikone sammelte mehr Silber als Vollmer. 1953 stürmte er als 19-Jährige ins Oberliga-Team, 1960 lief er in Barcelona mit der Landesmeister-Auswahl zum ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte auf. „Er war der Motor, der die Maschine am Laufen hielt“, sagte Ehrenpräsident Dieter Romann in der Arena.
Die Ehrung selbst war choreografiert wie ein Siebenmeter: Nachwuchs-Kapitäne trugen die Tafel vor, der Hallensprecher zählte Erfolge auf, die Anzeigetafel flackerte in Retro-Grün. Vollmers Enkeltochter Lisa überreichte den Pokal – und seine Stimme brach nur einmal, als er die Halle beschwor: „Ich habe hier gelernt, dass Zusammenhalt stärker ist als jeden Gegner.“

Von der nationalmannschaft bis zur trainerbank
Während Kempa mit der Kamera posierte und Singer die Rekorde jagte, lief Vollmer 29 Mal für Deutschland auf. Bronze 1958, Vierter 1961 – und das, obwohl man ihn intern „kleinen Kempa“ nannte, weil er neben dem Superstar auflief. Doch genau diese Rolle machte ihn unverzichtbar: Abwehranker, Spielmacher, Ruhepol. Als 1961 die Amtsübergabe anstand, übernahm er Spieler-Trainer und pflügte mit der Mannschaft durch Europa. Die Titelverteidigung 1962? Seine Idee. Die Taktik, den Ball nicht mehr nur zu Kempa zu spielen, sondern die Außen zu aktivieren? Auch seine Handschrift.
1965 krönte er sich mit der Hallen-Meisterschaft selbst, doch der Sprung in die neueBundesliga misslang. Vollmer trat zurück – und verschwand bewusst aus dem Rampenlicht. „Ich wollte nicht der Held sein, der einst war“, sagte er später. Er wurde Unternehmer, förderte Nachwuchs und lehnte jeden Medienrummel ab. Bis heute.

Die hall of fame wird zum leuchtfeuer
Mit Vollmer ist die Göppinger Ruhmeshalle nun komplett auf Kurs: Kempa für die Legende, Singer für die Tore, Kneule für die Moderne – und Vollmer für das Fundament. Geschäftsführer Oliver Roggisch kündigte an, künftig jährlich ein neues Mitglied zu küren. „Wir wollen den Nachwuchs zeigen, dass Erfolg nicht nur Instagram ist, sondern auch Schweigen, Arbeit und Wiederholung“, so Roggisch.
Die Tafel mit Vollmers Konterfei hängt nun neben dem Fanshop. Wer vorbeiläuft, liest: 1953–1965, 9 Titel, 2 Pokale, 29 Länderspiele. Und darunter, in kleiner Schrift: „Erst die Mannschaft, dann der Name.“
