Dresden und suhl auf final-kurs: ost-volleyball erlebt historische stunde

Ostdeutscher Volleyball steht vor einem Denkmal. Am Mittwochabend können Dresdner SC und VfB Suhl mit jeweils einem Sieg das erste reine Mitteldeutsche Finale der Bundesliga-Geschichte perfekt machen. Kein Westclub mehr im letzten Akt – das wäre ein Novum, das selbst alte DDR-Meister noch staunen lässt.

Stuttgart steht mit dem rücken zur wand

Der DSC hat den Favoriten MTV Stuttgart im Schwabenland schon gebeugt. Das 3:2 nach 127 Minuten war keine Glanznummer, sondern eine Demonstration von Willen. „Wir haben die Berg- und Talfahrt überlebt“, sagte Trainer Alexander Waibl, ohne das Adrenalin aus der Stimme zu bekommen. Nun reicht seinem Team ein Heimsieg, um den Finaleinzug zu fixieren. Die Ostrage in der Margon-Arena gilt als Festung: Dresden hat dort seit Januar kein Spiel mehr verloren.

Stuttgarts Problem: Die Außensäule droht zu wackeln. Diagonalangreiferin Lisa Gründing laboriert an einer Schulter, die Zuspiel-Statistik sprach im Hinspiel eine klare Sprache gegen die Gäste. Sollte der Primus am Mittwoch erneut die Startsätze verschlafen, ist die Serie vorbei. Die Schwaben müssen gewinnen – sonst fliegen sie vorzeitig aus dem Titelrennen.

Suhls traum vom double lebt

Suhls traum vom double lebt

Zwischen Thüringer Wald und Fichtelgebirge schmiedet der VfB Suhl bereits Pläne für ein historisches Double. Nach dem Pokalsieg gegen genau jene Stuttgart-Damen fegte das Hollosy-Team auch Titelverteidiger Schwerin mit 3:1 aus der Halle. Hannah Hartmann bilanzierte mit einem verschmitzten Lächeln: „Die ersten beiden Sätze waren fast perfekt. So schnell kann Schwerin nicht mal den Ball wechseln.“

Doch die Warnung folgt auf dem Fuß: Im März kassierte Suhl in Schwerin noch eine 0:3-Klatsche, die Negativserie dort hält seit 21 Jahren an. Die Crunch-Time aber scheint die neue Spezialität der Thüringerinnen zu sein – im Pokal wie im Pokal-Halbfinale wendeten sie Matchbälle des Gegners, ehe sie selbst zuschlugen. Trainer Laszlo Hollosy gab seiner Truppe zwei freie Tage, „damit der Kopf wieder klar ist. Noch haben wir gar nichts“. Wer ihn kennt, weiß: Das ist Hollosy-Sprachcode für „Wir wollen alles“.

Ein finale, das die liga verändern könnte

Ein finale, das die liga verändern könnte

Sollten beide Ost-Clubs ihre Matchbälle verwandeln, winkt am 19. April ein Finale Dresden gegen Suhl – ohne Westclub, ohne Bayern, ohne Rhein-Main-Gebiet. Die TV-Quote würde explodieren, die Sponsoren buhlen schon jetzt um Plätze auf der Tribüne. Für den DSC wäre es der siebte Meistertitel, für Suhl der erste überhaupt. Die Fans diskutieren bereits, ob man das Endspiel ins ausverkaufte Red Bull Arena verlegen sollte – 42 000 Zuschauer im Volleyball, das hätte es noch nie.

Die Spielerinnen selbst blockieren die Hype-Welle ab. „Erst mal Schwerin schlagen“, murmelt Hartmann, während Waibl seine Annahme- und Angriffsquote studiert. Die Zahlen sprechen für Dresden, die Moral für Suhl. Eines steht fest: Am Mittwochabend entscheidet sich, ob der deutsche Volleyball künftig mit ostdeutschem Akzent spricht.