Dresden und suhl auf finale-kurs: ost-kracher bahnt sich an

Dresden hat Stuttgart schon einmal auf die Bretter gelegt – und kann heute Abend den Deckel draufmachen. Suhl steht vor dem ersten Finale der Clubgeschichte. Die Volleyball-Bundesliga droht, komplett mitteldeutsch zu werden.

Waibl-team will schwaben endgültig begraben

Der Dresdner SC reist nicht einmal mit dem Anspruch, ein zweites Mal zu gewinnen. Er reist mit der Pflicht. Nach dem 3:2 im Schwabenland reicht den Elbestädterinnen heute (19 Uhr, Ballspielhalle) ein 3-Satz-Erfolg gegen den Hauptrundensieger, um das Endspiel zu erreichen. Alexander Waibl redet sich zwar klein („Annahme und Angriff laufen noch zu lasch“), doch wer das erste Spiel sah, weiß: Sein Kader verfügt über die besseren Zuspieler, die stabileren Außen und – vor allem – über eine Libera, die selbst Halbchancen rettet.

Stuttgart wiederum muss ohne die verletzte Diagonalangreiferin Rivers antreten. Trainer Tietböhl hat in der Videobesprechung die Fehlanzeige gegeben: 35 Angriffsfehler im ersten Duell, 8 Blocks gegen Null. „Wenn wir nicht ins Tiefflug-Niveau zurückfinden, fliegen wir auch in Sachsen raus“, sagte er nach dem Abschlusstraining. Die Quote spricht für Dresden: In dieser Saison verlor der DSC daheim nur einmal – und das im Golden Set.

Suhls 21-jahre-fluch soll enden

Suhls 21-jahre-fluch soll enden

Während Dresden auf Heimvorteil baut, muss der VfB Suhl in der Schweriner Gluthitze bestehen. Die Thüringer haben seit 2005 nicht mehr in der Landeshauptstadt gewonnen – 14 Pleiten in Folge. Doch die Zahlen tauschen. In diesem Jahr holte Suhl 14 Auswärtspunkte, so viele wie nie zuvor. Hannah Hartmann formuliert’s nüchtern: „Wir haben nichts zu verlieren, außer der Chance auf Geschichte.“

Schwerin wiederum ist gebeutelt. Mittelblockerin Sagert laboriert an einer Schulter, Zuspielerin Möllers kassierte gegen Suhl den dritten Krankheitsfall binnen sechs Wochen. Coach Koslowski wechselte deshalb auf ein 5-1-System um – mit durchwachsenem Erfolg. Die Blockstatistik ist dennoch alarmierend: 2,8 pro Satz in der Hauptrunde, nur 1,3 gegen Suhl. Wenn Koslowski da keine Antwort findet, dürfte der Titelverteidiger heute das Aus erleben.

Ein finale, das liga-geschichte schreibt

Ein finale, das liga-geschichte schreibt

Sollten beide Außenseiter gewinnen, gäbe es erstmals ein reines Ost-Finale der Volleyball-Bundesliga. Die Liga hätte ihr „Derby der Herzen“ – und die Marketingabteilung ein Megaspektakel. Denn egal ob Dresden oder Suhl: Beide Teams ziehen mit offenem Visier. Beide haben nichts zu verschenken. Und beide wissen: Ein Sieg heute bedeutet nicht nur Pokal, sondern auch ein Stück weit Abschied von der alten Ordnung.

Kurz vor dem Anpfiff ist die Favoritenrolle Makulatur. Entscheidend ist, wer den Matchball verwandelt. Die Uhr tickt – und mit ihr die Herzen in Dresden wie in Suhl.