Debora silvestri überlebt sturz-horror an cipressa: fünf gebrochene rippen, aber sie lächelt
Sie flog über die Schutzmauer, rutschte die Böschung hinunter und blieb liegen. Debora Silvestri. 78 Kilometer schnell war sie unterwegs beim Abstieg der Cipressa, als vor ihr eine Lücke im Peloton aufriß. Was danach geschah, war kein Unfall – es war ein freier Fall. Die Italienerin von Laboral Kutxa prallte gegen das Metallschutzgitter, katapultierte sich in die Tiefe und verschwand hinter der Mauer. Die TV-Bilder sprachen eindeutige Sprache: Das hätte tödlich enden können.
Stattdessen postet sie aus dem Krankenbett ein Selfie mit Daumen hoch. „Fünf Rippen gebrochen, Mikrofraktur in der Schulter – es hätte schlimmer kommen können“, schreibt sie auf Instagram. Die Formulierung klingt fast lapidar. Dabei war ihr Sturz einer der spektakulärsten der letzten Jahre an der Via Roma. Die Cipressa, 5,6 Kilometer vor dem Ziel, gilt als Sprungbrett für Sieger. Für Silvestri wurde sie zur Falle.
Warum niemand hinter ihr ausweichen konnte
Die Renndirektion bestätigt: Die 26-Jährige befand sich im toten Winkel der Favoritengruppe. Wer vor ihr stürzte, blockierte die Sicht. Wer hinter ihr fuhr, sah sie zu spät. Die Kettenreaktion war programmiert. Teamchef Iñaki Díaz telefonierte noch während der Live-Übertragung mit dem Rettungsdienst: „Wir wussten sofort, daß es ernst ist. Sie war bei Bewußtsein, aber atmete flach.“
Im Hospital Sanremo angekommen, bestätigte die CT-Untersuchung die ersten Befürchtungen: Brustkorb deformiert, Schulter geprellt, Lungenerschütterung. Dennoch: keine inneren Blutungen, keine Wirbelsäulenverletzung. Die Ärzte sprechen von „glücklichen Umständen“. Ein paar Zentimeter weiter links und sie wäre auf die Felsenkante geschlagen.
Laboral Kutxa aktualisierte in der Nacht das Medical Update. Wortwahl: „evoluciona favorablemente“. Das klingt nach Bürokratie, gemeint ist: Sie wird wieder fahren. Wann, steht offen. Knochenbrüche bei Radsportlern bedeuten sechs Wochen Pause, minimal. Bei Silvestri könnte es aufgrund der Mikrofraktur länger dauern. Der Saisonplan ist zerrissen: Es fehlen die Frühjahrs-Klassiker, vielleicht sogar die Giro Donne.

Die szene, die das peloton erschüttert
In der Fahrer-WhatsApp-Gruppe kursiert ein 15-Sekunden-Clip. Er endet mit dem Bild von Silvestris Verschwinden. Ein Kollege kommentiert: „Das war kein Sturz, das war ein Absturz.“ Die Gewerkschaft CPA fordert erneut die UCI auf, die Schutzmauern an der Cipressa zu verlängern. Bisherige Antwort: „Wir prüfen.“
Für Silvestri zählt nur das Jetzt. Sie hat bereits die erste Krankengymnastik hinter sich. Atemübungen. Schmerzpumpe. Und ein neues Tattoo-Termin ist gebucht: die Kontur der Cipressa, datiert auf den 18. März 2023. Unter ihr stehen wird ein Spruch: „What doesn't kill you makes you faster.“
Sie wird zurückkommen. Vielleicht nicht in diesem Jahr. Aber sie wird zurückkommen. Die Radsportwelt atmet auf – und fährt gleichzeitig schneller. Denn jeder kennt jetzt die Bilder von der Böschung. Und niemand will dort hinuntersegeln.
