Cortina 1956: der eiskunstlauf-skandal um marika kilius – ein junges talent sorgt für tumult
- Die winterspiele von cortina 1956: ein debüt unter keinem guten stern
- Ein ungewöhnliches paar: kilius und ningel
- Der aufreger: entscheidungen der preisrichter
- Proteste und unruhen im eisstadion
- Die folgen und die karriere von marika kilius
- Von cortina zur ikone: kilius' sportliche erfolge
- Weitere interessante artikel
Die winterspiele von cortina 1956: ein debüt unter keinem guten stern
Die Olympischen Winterspiele 1956 in Cortina d'Ampezzo markierten den Beginn einer bemerkenswerten Karriere für die damals erst zwölfjährige Marika Kilius. Das junge Eiskunstlauftalent sollte zu einem der größten deutschen Sportstars der Nachkriegszeit werden. Ihr Debüt im Paarlauf war jedoch von einem Eklat geprägt, der die Wettkämpfe in Aufruhr versetzte. Trotz eines im Training erlittenen Steißbeinbruchs, der ihre Teilnahme gefährdete, trat Kilius an, um sich für die Spiele zu qualifizieren.

Ein ungewöhnliches paar: kilius und ningel
Marika Kilius und ihr Partner Franz Ningel bildeten ein ungewöhnliches Paar auf dem Eis. Während Kilius bereits größer war als ihr fast 20-jähriger Partner (158 cm), brachte Ningel die nötige Kraft für die anspruchsvollen Hebefiguren mit. Ihre Kür war laut Kommentatoren schmissig, gut choreografiert und sauber vorgetragen, was einige Journalisten als ihren bisherigen Höhepunkt bewerteten.

Der aufreger: entscheidungen der preisrichter
Vor 12.000 Zuschauern im ausverkauften Eisstadion gaben die ungarischen Zwillinge Marianna und Laszlo Nagy eine routinierte Darbietung. Die anschließende Kür von Kilius/Ningel wurde von vielen als gleichwertig oder sogar besser bewertet. Als die neun Preisrichter jedoch die Ungarn mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,05 Punkten auf den dritten Platz setzten, entlud sich die Stimmung im Publikum.
Proteste und unruhen im eisstadion
Die Entscheidung der Preisrichter löste einen wahren Proteststurm aus. Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” berichtete am 4. Februar 1956 von einer beispiellosen Szene: “Zwei Minuten lang gellten nur Pfiffe und Pfuirufe. Dann flogen Apfelsinen, Äpfel, Zitronen, Papierknäuel über die Eisfläche.” Ordner versuchten zunächst, die Geschosse zu entfernen, doch die Punktrichter mussten sich schließlich in Deckung begeben, während Flaschen und andere Gegenstände von den Rängen herabregneten. Die Carabinieri wurden hinzugezogen, um die Lage zu beruhigen.
Die folgen und die karriere von marika kilius
Kilius und Ningel zogen sich nach dem Tumult in die Katakomben zurück. Die Unterbrechung dauerte 40 Minuten, doch das Ergebnis blieb unverändert. Bei der WM einige Wochen später gewannen Kilius und Ningel Bronze, im Jahr darauf Silber. Anschließend trennten sie sich als Eislaufpaar, da der Größenunterschied von mittlerweile 10 Zentimetern zu groß geworden war. Kilius bezeichnete Ningel in ihrer Autobiografie als einen “liebevollen großen Bruder”.
Von cortina zur ikone: kilius' sportliche erfolge
Marika Kilius feierte mit ihrem neuen Partner Hans Jürgen Bäumler große Erfolge. Sie wurden 1963 in – passenderweise – Cortina Weltmeister. Insgesamt gewann Kilius sechs EM-Titel, zweimal WM-Gold sowie Silber bei den Olympischen Spielen 1960 und 1964. Sie wurde zu einem der großen Sportidole ihrer Zeit, und ihre Bekanntheit wurde durch Schallplatten und Filme weiter gesteigert. Im Jahr 2011 wurde sie gemeinsam mit Bäumler in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.
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