Cardoso patzt: pochettino zieht verletzten abräumer zur halbzeit – atlético bangt

Johnny Cardoso war nach 45 Minuten gegen Belgien draußen. Kein taktischer Trick, sondern ein Notfall. US-Coach Mauricio Pochettino bestätigte postmatch den Verdacht: „Er hatte die ganze Woche Beschwerden“. Der Fünf-Millionen-Mann von Atlético Madrid hatte sich bis zum Anpfiff spritzen lassen, um das Länderspiel zu retten – und klagte in der Kabine erneut.

Die uhr tickt für simeone

Die Nachricht landete um 23:17 Urtext Ortszeit im Camp Nou der Metropolitano. Diego Pablo Simeone war noch in Buenos Aires, als ihm der Mediziner die WhatsApp schickte: Knorpel irritiert, keine Rissbildung, Einsatzzeit 48 Stunden offen. Für den Coach ein Schlag ins Kontrollzentrum. Gegen Barça muss er auf Cardoso verzichten – Gelb-Sperre ohnehin –, doch danach folgen Atléticos Lebenspiele: Champions-League-Achtelfinale, Derby gegen Real, Gipfel in San Mamés.

Der Brasilianer mit US-Pass ist längst nicht mehr bloß Backup für Koke. Seit Barrios’ Syndesmosedrama und Witsels Alterspause ist Cardoso der einzige Sechser, der Simeones 5-3-2 in beiden Phasen stabilisiert: erste Pressinglinie, zweite Anspielstation. Ohne ihn rutschte Atlético in den letzten 18 Minuten gegen Inter von 58 auf 43 Prozent Ballbesitz – ein Crash, der in der Rückrunde nicht wiederholt werden darf.

Minutenstatistik lügen nicht

Minutenstatistik lügen nicht

1.429 Minuten in 24 Pflichtspielen – klingt nach Belastungsschutz. Doch die Zahl trügt. Cardoso kam in LaLiga siebenmal nach der 70. Minute, zweimal wegen Muskelfasern, dreimal wegen Taktik. Seine mittlere Spielzeit liegt bei 59,5 Minuten, weniger als die Hälfte der möglichen 3.840. Das macht ihn frisch, aber auch rostig. Die Verletzungsanfälligkeit war in Sevilla schon Thema: zweimal Sprunggelenk, einmal Oberschenkel, einmal Corona-Ausfall – alle Auszeiten unter fünf Wochen, aber störend genug, um den Rhythmus zu zerhäckseln.

Pochettino riskierte den Einsatz, weil Cardoso gegen Belgien seine Centimeter-Physis brauchte. Der Coach setzte auf das bewährte 4-2-3-1, Cardoso saß neben Reyna als Doppelsechs. Nach 30 Minuten wurde deutlich: Der 22-Jährige gewann nur noch 33 Prozent seiner Zweikämpfe – vor der Verletzung waren es 61. Die Zahlen lügen nicht, die Schmerzen schon gar nicht.

Plan b: mendoza oder llorente?

Plan b: mendoza oder llorente?

Simeone hat zwei Optionen. Variante eins: Pablo Barrios vorzeitig zurückholen. Der Madrilen trainiert seit Montag wieder mit Ball, aber noch keine maximalen Sprinttests. Der Klub will kein Risiko eingehen, ein Rückfall würde die gesamte Rückserie gefährden. Variante zwei: Marcos Llorente in die Doppelsechs verfrachten. Der Spanische Meister von 2021 spielte dort bereits im Pokal gegen Lugo – 94 Prozent Passquote, aber nur 47 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Simeone wird die Entscheidung erst 24 Stunden vor dem Barça-Spiel treffen.

Die echte Frage lautet: Wie viele Spiele kann Cardoso bis Mai noch absolvieren? Der Medizinerstab rechnet mit maximal sieben volleinsätzen bei 24 verbleibenden Pflichtspielen. Die Belastungssteuerung läuft über GPS-Daten: keine zwei Spiele in 72 Stunden, keine Flugreise länger als fünf Stunden, keine Trainingseinheiten über 85 Prozent Herzfrequenz. Simeone nennt es „Operation 70 Minuten“ – Cardoso soll die entscheidenden Phasen bestimmen, nicht die ganzen Partien.

Atlético liegt drei Punkte hinter Barça, zwei vor Real. Die Titelchance hängt an der Gesundheit eines Mannes, der bislang nur die Hälfte der Saison gespielt hat. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Cardoso zur Lösung oder zum Risiko wird. Eines steht fest: Ohne ihn droht dem Cholismo ein Mittelfeld-Kollaps, den selbst die Rojiblancos nicht verteidigen können.