Campione spielt verrückt: 479 pferde im ersten ipc-tag, castelluccio lacht sich schlapp

Die Chips fliegen, die Kasse klingt, die Italiener rasen. Mit 479 Buy-ins zerlegt Tag 1A des Italian Poker Challenge Main Events in Campione d’Italia jede Prognose. Der 700 000-Euro-Preispool blinzelt schon jetzt. Sergio „Turtle-Guru“ Castelluccio sitzt auf 268 000 Stück – drei Mal mehr als der Durchschnitt. Er lächelt wie ein Mann, der weiß, dass seine Gegner noch schlafen.

Früher vogel kassiert 250 euro rabatt

Die Organisatoren lockten mit Early-Bird-Preis: 770-Euro-Buy-in, 250 Euro geschenkt. Die Antwort kam binnen Minuten. 250 Spieler schoben sich vor 14 Uhr an die Kasse, der Rest folgte, bis der Kartengeber heiser wurde. 169 haben das Ticket für Tag 2 gesichrt, zehn zusätzlich kassieren Eintrittskarten für ein High-Roller-Side-Event am Wochenende. Die Aktion zahlt sich aus: Die Spielerzahlen der Vorsaison hat das Event schon vor dem eigentlichen Start überholt.

Dahinter lauert ein simpler Fakt: Campione lebt. Nach Jahren leerer Sitze quillt die alte Spielbank wieder über. Die Bar zählt Espresso im Sekundentakt, das Parkhaus ist dicht, die Dealer wechseln im Dreier-Schicht-System. Die Stadt, jahrelang vom Konkurs bedroht, atmet Pokergeld.

Familien-drama am mystery-bounty-felt

Familien-drama am mystery-bounty-felt

Während Castelluccio die Chips stapelt, kocht das Side-Event. Beim Mystery Bounty geht eine Kopfgeld-Karte mit 50 000 Euro durch den Raum. Raffaele Castro und Ana David, Paar im echten Leben, landen in derselben Hand. Castro callt Davids All-in mit A-9, sie hält K-3. Der Flop bringt einen Drilling Drei, Davids Schrei hallt bis zur Bar. Castro räumt 50 000 Euro plus Bounty ab, muss das Essen aber allein bezahlen – Beziehungsstatus: im Side-Pot.

Den Final-Knaller liefert Luca Bernardi. Der Romagnolo schnappt sich nach fünfstündigem Endspiel den Titel und einen Scheck über 62 000 Euro. Es ist sein dritter Sechs-Null-Cash innerhalb von neun Monaten, die Statistik-Seiten reden bereits von „Bernardi-Welle“.

Castelluccio selbst kommentiert knapp: „Ich spiele nicht Poker, ich lese Comics und die Gegner schicken mir die Bilder.“ Bei 268 000 Chips kann man sich solche Sprüche erlauben. Hinter ihm lauert Davide Antoniotti mit 254 000, gefolgt von einer Jagdgruppe aus Neapel, Mailand und Bozen. 700 000 Euro Preisgeld warten, aber der Druck sitzt bei allen außer dem Chipleader.

Tag 1B startet heute Mittag. Die Kapazität ist auf 600 Plätze begrenzt, die Warteliste bereits länger als der Lago di Lugano. Wer dabei ist, jagt nicht nur Geld – er schreibt das nächste Kapitel vom Wiederaufstand Europas verrücktester Poker-Stadt. Und Castelluccio? Der gönnt sich einen Cappuccino, bevor er die nächsten Chips einsackt. Campione spielt verrückt – und es ist erst Montag.