Borchmann gelingt der befreiungsschlag im keller – tus ennepetal plant schon den neuanfang

Der TuS Ennepetal lebt. Fünf Rückrunden-Punkte, ein Achtungserfolg in Wattenscheid, ein Trainer, der mitten im Abstiegskrater schon von Liga zwei träumt. Maximilian Borchmann ist kein Feuerwehrmann, er ist Architekt – und er baut aus Trümmern etwas, das nächste Saison schon wieder nach oben zeigen soll.

Die niederlage, die keiner feierte – und die dennoch alles veränderte

Im November stand Borchmann ohne Job da. Türkspor Dortmund hatte sich „intern neu ausgerichtet“, er und Co-Trainer Dennis Niggemann mussten gehen. Kein Tränenbahnhof, sondern kalte Business-Logik. Drei Wochen später unterschrieb er beim Tabellenletzten der Oberliga Westfalen – Ligaunabhängig, also auch dann, wenn der TuS am Saisonende in die Landesliga rutscht. „Die Alternative hieß: bis Sommer warten und riskieren, dass sich gar nichts ergibt“, sagt er knapp. Wer Borchmann kennt, weiß: Er hasst Warteräume.

Sein Vertrag ist kein Rettungsring, sondern ein Grundinvestment. Infrastruktur, Kadergerüst, Perspektive – das klingt nach Powerpoint, ist aber seine DNA. Acht Punkte zur Winterpause? „Ein klares Zeichen, dass Qualität fehlte“, sagt er. Dabei meint er nicht nur Personal, sondern auch Struktur. Mit Marius Müller und Ben Binyamin gingen zwei Leitfiguren nach Ahlen, an deren Stelle bislang nichts Substanzielles wuchs. „Diese Spieler zu ersetzen, ist uns bisher nicht gelungen“, gibt er offen zu. Kein Selbstzweifel, nur ein Standortbericht.

Tore ja, aber hinten ein sieb – die baustelle hat namen

Tore ja, aber hinten ein sieb – die baustelle hat namen

Ennepetal schießt gern, verliert aber den Fokus, sobald der Gegner umschaltet. „Wir brauchen für ein Tor oft drei Aktionen, der Gegner für sein erstes nur eine“, sagt Borchmann. Die Zahle ist lauter als jede Analyse: 40 Gegentreffer nach 22 Spielen, nur vier Teams kassierten mehr. Die 2:1-Überraschung in Wattenscheid? „Da lagen wir erstmal richtig, der Gegner hatte einen rabenschwarzen Tag.“ Kein Pokal-Märchen, sondern ein Lehrstück über Effizienz.

Seitdem ist der TuS stabiler, holte fünf Zähler aus fünf Partien. „Realistisch wären sieben oder acht gewesen“, so der Coach. Die fehlenden zwei Punkte sind kein Zufall, sie sind das Salz in der Wunde: „Konstanz fehlt noch, aber die Richtung stimmt.“

Der blick richtung sommer: kader zusammenhalten, klasse nach oben tragen

Der blick richtung sommer: kader zusammenhalten, klasse nach oben tragen

Abstieg oder nicht – der Klub plant schon den Re-Start. Gespräche mit Leistungsträgern laufen, ein Keeper aus der U 19 soll hoch, zwei A-Jugend-Kräfte bekommen Profi-Trainingszeiten. Borchmann will keinen Radikal-Umbruch, sondern eine Evolution. „Die Mannschaft ist nicht so schwach, wie die Hinrunde verlief“, betont er. Unter seinem Regime zählen nicht nur Punkte, sondern auch Bälle, die nicht mehr ins Aus rollen.

Am Sonntag geht’s nach Finnentrop-Bamenohl – ein Sechs-Punkte-Spiel im wahrsten Sinn. Dann kommt Türkspor Dortmund, sein Ex-Arbeitgeber. „Ich freue mich auf die Mannschaft“, sagt er, und den Zuhörern bleibt die zweite Hälfte des Satzes im Ohr haften: „auf die Verantwortlichen weniger.“ Kein Groll, nur ein Stich, der sitzt.

Ennepetal steht weiter auf Abstiegsplatz 18, doch die Tabellen-Mathematik ist nur eine Seite. Die andere heißt: ein Trainer, der sich nicht erpressen lässt, eine Infrastruktur, die Oberliga-tauglich bleibt, und eine Mannschaft, die endlich lernt, dass Punkte nicht vom Himmel fallen, sondern aus Konstanz kommen. Die Saison ist halb verloren – der Neuanfang schon in vollem Gang.