Aicher jagt shiffrin: 140 punkte, vier rennen, ein wintermärchen
Emma Aicher muss Mikaela Shiffrin 140 Punkte abjagen, um am Samstag in Kvitfjell die große Kristallkugel zu klauen. Die Abfahrt um 12:30 Uhr ist ihr Startschuss für ein Finale, das deutschen Skisport in einen neuen Rausch versetzen könnte.
Die abfahrt wird ihre schneise
Aicher kennt die Piste, sie kennt den Druck. Vor einem Jahr sicherte sie sich hier ihren ersten Weltcup-Sieg – 180 Punkte über Nacht. Diesmal würde ein Sieg den Rückstand auf 40 Zähler schmelzen. Shiffrin wird wahrscheinlich nur zuschauen; seit Januar 202r stand sie nicht mehr in einer Downhill-Startliste. Das spielt der Oberstdorferin in die Karten, sagt sogar Viktoria Rebensburg.
Die Super-G-Sensation folgt am Sonntag. Shiffrin sammelte in dieser Disziplin zuletzt 23. Platz-Punkte, doch beim Finale zählen nur die ersten 15. Null Punkte für die Amerikanerin, 80 oder 100 für Aicher – das wäre die Tabellenumdrehung. Im Slalom danach tauschen sich die Rollen. Aichers Bestmarke: Platz zwei in Are, 0,94 Sekunden hinter Shiffrin. Schadensbegrenzung lautet die Devise, mehr ist nicht nötig.

Die generalprobe lügt nicht
Im Riesenslalom von Are landete Aicher vor Shiffrin – Rang vier gegen fünf, fünf Punkte Vorsprung. Genau ein solches Miniatur-Ergebnis könnte am Ende über Gold und Silber entscheiden. Die FIS-Punkte-Maschine läuft nur noch vier Mal. Wer in der Abfahrt zulegt, darf im Slalom verlieren. Wer im Super-G riskiert, darf im Riesenslalom retten.
Die Geschichtsbücher liegen offen: Maria Höfl-Riesch, Katja Seizinger, Rosi Mittermaier – mehr deutsche Gesamtweltcup-Siegerinnen gibt es nicht. Aicher würde als vierte einschreiben, mit 22 Jahren, nach einer Saison, in der sie fünf Top-5-Platzierungen in der Abfahrt holte. Die Uhr tickt. Am Mittwoch, 25. März, ist Schicht im Schnee. Dann wissen wir, ob die fleißigste Läuferin der Saison der erfolgreichsten aller Zeiten ein Schnippchen schlägt.
