Bvb-frauen patzen im cl-kracher: ferencvaros entreißt dortmund den traum

25:31 – die Zahlen brennen sich in die Netzhaut. Mit einer kalten Dusse versetzte Ferencvarosi TC die BVB-Handballerinnen am Sonntag in Hamm, nahm deren Champions-League-Trautsaft und servierte ihnen sechs Tore auf Silbertablett. Vor 854 Zuschauern, die zunächst noch jubelten, verstummte die Halle nach 60 Minuten wie nach einem K.o.

Henk Groener stand hinter der Bande, Kinn nach vorn, Blick leer. Der niederländische Chefcoach hatte seine Mannschaft auf Höchstleistung getrimmt, doch die Ungarinnen um Petra Simon und Katrin Klujber schalteten zwei Gänge höher, sobald es brenzlig wurde. „Wir haben uns selbst ausgebremst“, sagte Groener später, und man hörte den Frust zwischen jedem Wort.

Die lücke in der mitte wird zur falle

Die erste Halbzeit war ein Schaukelsitz. Dana Bleckmann glich in der 21. Minute zum 9:9 aus, doch dann folgten fünf Minuten Stille. Kein Kreislauf, kein Durchbruch, nur hektische Pässe auf die Außenpositionen. Dort traf Lara Egeling achtmal, aber durch die Mitte kam – Statistik statt Torraum – nur jedes zweite Wurfziel ins Netz. Ferencvaros dagegen nutzte 62 % seiner Chancen, ein Wert, der in dieser Phase der Königsklasse normalerweise nur Spitzenklubs vorbehalten ist.

Die zweite Hälfte begann mit Hoffnung. Kelly Vollebregt erzielte in der 46. Minute das 21:21, die Tribüne erbebte. Doch statt Druck zu erhöhen, schlichen sich wieder technische Fehler ein. Simon und Klujber schraubten das Tempo, warfen drei Tore in 68 Sekunden, und plötzlich war die Abstandslücke wieder da. Die Dortmunder Abwehr wirkte wie gelähmt, Torhüterin Meike Krämer fischte zwar noch einige Bälle heraus, doch die Ungarinnen schlichen um jeden zweiten Wurf herum.

Pokal-sieg reicht nicht als schutzschild

Pokal-sieg reicht nicht als schutzschild

Vor einer Woche jubelten die Schwarz-Gelben noch im DHB-Pokal – der erste Titel seit 1997. Doch der Pokal ist kein Impfpass gegen europäische Realität. Die Bundesliga-Spitzenposition schützt nicht vor individueller Klasse aus Budapest. „Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können“, sagte Egeling, „aber können ist nicht genug, wenn man gewinnen will.“

Am Samstag, 28. März, 16:00 Uhr, steht das Rückspiel in der Elek Gyula Aréna. Dort muss Dortmund mindestens mit sieben Toren Differenz gewinnen, um die Zwischenrunde doch noch zu erreichen. Eine Mammutaufgabe, selbst für eine Mannschaft, die in der Liga mit Tempo und Power glänzt.

Die Fakten sind hart: Sechs Tore Rückstand, Auswärtsschwäche in der CL, dazu eine Gegnerin, die in den letzten zehn Europapokalspielen nur einmal verlor. Die BVB-Fans werden trotzdem reisen, schwarz-gelbe Fahnen werden auch in Budapest wehen. Ob sie am Ende nur eine Fußnote bleiben oder Geschichte schreiben – das entscheidet sich in sieben Tagen. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut.