Bvb zündet sonderdurchlauf: kehl raus, sofort

Sonntagmittag, 12:33 Uhr. Die Mail landet, und der Fußball-Nordosten hält den Atem an. Sebastian Kehl ist nicht mehr Sportdirektor von Borussia Dortmund – mit sofortiger Wirkung. Kein Übergang, kein Sommer, kein Aufschub. Die Trennung, die der Klub als „einvernehmlich“ verkauft, wirkt im Moment der Verkündung wie ein Knall, nicht wie ein Handschlag.

Warum jetzt? die antwort liegt in der kabine

Intern war die Luft seit Wochen dünn. Nach dem 0:3 in Rom, dem 1:4 in Barcelona und der verkorksten Hinrunde hatte Kehl laut Mitwissern die Kompetenzfrage gestellt – und bekam keine echte Rückendeckung. Lars Ricken, seit Januar alleiniger Sport-Geschäftsführer, wollte die Machtzusammenlegung; Kehl wollte Rückverankerung. Beide redeten, keiner wich. Die Lösung: sofortiger Abgang, damit der Sommerplaner schon jetzt mit neuem Gesicht starten kann.

Die Zahlen sind hart: 2022 übernahm Kehl den Posten, seitdem 77 Transfers, 47 Punkte Rückstand auf Bayern, Null Titel. Nur das Champions-League-Finale 2024 glänzt wie ein Einzelstück in einem sonst leeren Schaukasten. Die Rücktrittsforderungen aus der Südtribüne nach dem 0:2 gegen Augsburg vor zwei Wochen waren laut genug, um die Geschäftsführung wachzurütteln.

Hsv oder tv – wohin geht die reise?

Hsv oder tv – wohin geht die reise?

Hamburger SV-Sportvorstand? Kehl dementiert nicht, schweigt aber. Was spricht dafür: Die Hanseaten suchen einen Strukturkopf, der den Klub auf Bundesliga-Niveau hebt. Was spricht dagegen: Kehl verdient in Dortmund rund 2,5 Mio. Euro pro Jahr, HSV-Boss Boldt müsste dafür seine komplette Gehaltsstruktur aufbrechen. Alternative: Sky. Der Sender buhlt um prominente Köpfe, Kehl hat das Format, die Sprachgewalt und die TV-Erfahrung aus Spielzeiten. Entscheidung binnen zwei Wochen, heißt es im Umfeld.

Der BVB selbst fährt bereits Aufklapp-Modus. Intern kursiert die Liste: Matthias Sammer (berät seit Jahren), Mislintat (laut Ricken „kein Thema“), Jörg Schmadtke (frei, aber 60+) sowie ein Überraschungskandidat: Nia Künzer, DFB-Direktorin und frühere WM-Heldlin. Klar ist nur: Die Nachfolge muss sitzen, bevor die Transferperiode am 1. Juli öffnet. Sonst droht ein Sommer wie 2018, als der BVB wegen Zögern Hazard und Hummels fast verpasste.

Kehls letzter satz klingt wie ein abschiedslied

Kehls letzter satz klingt wie ein abschiedslied

„Das Feld ist bestellt“, sagte er am Sonntag. Das klingt nach Bauernhof, ist aber Fußball-Code für: Ich werde nicht mehr umpflügen. Nach 21 Jahren als Spieler, Manager, Identifikationsfigur bleibt ein riesiger emotionaler Graben. Die Südtribüne wird am nächsten Heimspiel gegen Frankfurt skandieren, was sie immer skandiert: „Kehl, Kehl, Kehl!“ – diesmal aber mit tränenfeuchtem Unterton.

Für den BVB beginnt eine Ära, in der die Kompetenzfrage endlich beantwortet werden muss: Wer führt, wer lenkt, wer feuert? Für Kehl beginnt eine Auszeit, die wahrscheinlich kürzer ist als gedacht. Weil der deutsche Fußball keine Führungsfiguren mit Champions-League-Erfahrung einfach ruhen lässt. Weil der HSV anruft. Weil das Fernlicht der Kameras bereits warm ist.