Vor 37 jahren eroberte dieses paar das eis – und heute tanzt ihr sohn für die usa
19. März 1989, 21:03 Uhr, Pariser Präsentationsraum: Marina Klimowa und Sergei Ponomarenko atmen tief durch, dann donnert Bach aus den Boxen. Sieben Minuten später ist klar – Silberzeit ist vorbei. Die Sowjetunion hat neue Eiskönige.
Was in dieser Nacht begann, war keine Siegesserie, sondern eine Machtergreifung. Vier EM-Titel in Folge, drei Weltmeisterschaften zwischen 1989 und 1992, und 1992 in Albertville der Olympiakranz, der ihnen die letzte Lücke im Medaillenschrank schloss. Davor lieferten sie acht Jahre lang Bestemjanowa/Bukin die Sekunde ab, sangen den „Goldenen Walzer“, kassierten aber nur Silber. Die Geduld zahlte sich aus mit Zinsen.

Der sohn geht auf amerikanisches eis
Während die Eltern in San Jose Schüler drillen, zieht Sohn Anthony die Schlittschuhe für die USA an. In Mailand wurde er Elfter – keine Podestplatzierung, aber ein Familienstammbaum, der selbst Historiker staunen lässt. Drei Olympiaden, drei Länder, eine DNA voltereter Schritte und fliegender Sitze.
Die Klimowa/Ponomarenkos lehrten der Welt, dass Eistanz kein Sprint ist, sondern ein Marathon mit Musik. Sie erfanden neue Kantenwinkel, setzten Körperbeherrschung wie Ingenieure ein und gaben Bach ein Tempo, das vorher niemand für möglich hielt. Ihre Hall-of-Fame-Induktion 2000 war keine Geste, sondern ein Schulterzucken des Sports: „Endlich.“
Heute vor 37 Jahren also wurde das i-Tüpfelchen gesetzt. Und während andere Legenden vergilben, dreht sich in irgendeinem kalifornischen Trainingzentrum gerade ein 25-Jähriger mit Partnerin Carreira eine Runde – und erinnert die Anwesenden daran, dass Genetik manchmal einfach nur Musik auf Eis übersetzt.
