Ägypten-rematch: dhb-team jagt nächsten selbstvertrauensschub vor wm-generalprobe
Die deutschen Handballer haben den Afrikameister schon einmal niedergebrüllt – 41:38 war die Devise in der ersten Runde. Am Sonntag um 15.30 Uhr kommt Ägypten zurück, und diesmal soll die Euphorie nach dem EM-Triumph nicht verfliegen, sondern anschwellen.
Knorr sieht „sehr gute mannschaft“ – und gleich darauf dänemark
Spielmacher Juri Knorr spricht mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass der Kalender kein Pardon kennt. „Mit Ägypten haben wir eine sehr gute Mannschaft – und dann wartet Dänemark. Das ist natürlich gut für uns“, sagt er, während Olympia-, Welt- und Europameister bereits im Hinterkopf der deutschen Kabine lauern. Am 15. Mai in Kopenhagen, am 17. Mai im Kölner Lanxess-Arena, geht es gegen die Skandinavier, die seit Jahren den Maßstab setzen. Für das DHB-Team ist das kein Schrecken, sondern ein Geschenk: Je häufiger man gegen das Beste trainiert, desto schneller schmilzt der Respekt.
Doch bevor die Dänen-Blockflöte ertönt, gilt es, den Pharao erneut zu beerdigen. Das erste Duell war kein Spaziergang – 41 Tore bedeuten auch 38 Gegentreffer, ein Wert, der Bundestrainer Alfred Gislason die Stirn runzeln lässt. Die Abwehr will sich steigern, der Kreislauf ist klar: Je stabiler die Rückraum-Abwehr, desto schneller die Umstellung, desto mehr Tempogegenstöße für Andreas Wolff im Tor. Der Weltklasse-Keeper lieferte gegen Ägypten bereits acht Paraden in der ersten Hälfte, doch die zweite Hälfte zeigte Lücken, die sich ein Gegner wie Dänemark gnadenlos zunutze macht.

Gislason-zukunft rückt vor der heim-wm in den fokus
Parallel zum Spielzirkus arbeitet DHB-Sportvorstand Ingo Meckes an der größten offenen Frage: Wie lange bleibt Gislason? „Es wäre schlimm, wenn wir einen Monat oder zwei Monate, bevor die WM startet, keine Klarheit hätten“, sagt er. Die Entscheidung soll vor der Heim-WM fallen – 20 Jahre nach dem bislang letzten WM-Titel. Der Druck ist da, aber Meckes betont: „Einen unmittelbaren Druck sehe ich nicht.“ Die Botschaft ist klar: Qualität vor Geschwindigkeit. Doch in der Handball-Welt weiß jeder, dass Zeit kein Luxus ist, sondern ein Rohstoff, der knapp wird.
Für die Fans bleibt die Erkenntnis: Wer heute um 15.30 Uhr einschaltet, sieht kein Freundschaftsspiel, sondern eine Generalprobe für den Winter, wenn in Deutschland wieder getanzt wird. ProSieben überträgt live, Dyn streamt – und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit der EM schoss das DHB-Team 243 Tore in fünf Spielen, kassierte nur 198. Die Quote liegt bei 55 Prozent Trefferquote, ein Wert, der selbst Spanien und Frankreich ins Grübeln bringt.
Am Ende zählt nur eins: Selbstvertrauen tanken, ohne den Tank zu überfüllen. Denn wer zu früh glaubt, schon angekommen zu sein, wird in Kopenhagen und Köln aufschrecken. Die deutsche Handball-Welt ist im Umbruch – und genau das ist der Moment, in dem große Geschichten beginnen.
