Biathletin hettich-walz: letzter olympischer tanz?
Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken, als Janina Hettich-Walz in ihrem lichtdurchfluteten Wohnzimmer saß und über ihre Zukunft sprach. Ein Jahr ist es her, dass sie ihre Tochter Karlotta zur Welt brachte, und nun steht für die Vize-Weltmeisterin eine entscheidende Frage im Raum: Ist die Saison 2026 in Mailand und Cortina ihre letzte auf der internationalen Bühne?
Die achterbahnfahrt des comebacks
Die Weltcupsaison ist vorbei, und die Erschöpfung ist spürbar. Doch es ist auch eine Zeit der Reflexion. Hettich-Walz spricht offen über ihre Saison, die sie selbst als „Zwei bis Drei“ benotet. Das Laufen lief solide, aber das Schießen – einst ihre Stärke – bereitete Probleme. Strafrunden wurden zu einem bitteren Begleiter, der ihre Ambitionen immer wieder untergrub.
Die Geburt von Karlotta veränderte alles. Die Motivation, noch einmal an den Start zu gehen, war enorm: Olympia! Und sie schaffte es tatsächlich, bereits im September bei den Deutschen Meisterschaften ein Comeback zu feiern. Ein Kraftakt, der vom Deutschen Skiverband (DSV) und ihrer Familie tatkräftig unterstützt wurde. Die Bundeswehr verlängerte ihre Stelle, und ihr Mann, Kai, passte seinen Arbeitsplan flexibel an, um die kleine Familie zu unterstützen. Die Schwiegereltern halfen ebenfalls, wenn sie die Kleine betreuen konnten.
Das olympische Feuer flackerte, doch es brannte nicht so hell, wie sie es sich erhofft hatte. Eine Krankheit bremste sie aus, und obwohl sie Rang acht im Einzel und Rang vier in der Staffel erreichte, blieb der Traum von der Medaille unerfüllt. Die Enttäuschung war groß, wie sie zugibt. „Es war nicht einfach zu verarbeiten, dass man in der Karriere diesen Traum nicht erreichen wird.“

Familie vor medaille: eine entscheidung
Die Familienplanung spielt nun eine entscheidende Rolle. „Ich möchte irgendwann ein weiteres Baby, und mit zwei Kindern kann ich mir das im Leistungssport einfach nicht vorstellen“, erklärt sie. Vier Jahre Vorbereitung sind eine lange Zeit, und das Investment in Reisen und Wettkämpfe ist immens. Daher ihr Plan: „Noch ein, vielleicht auch noch zwei Jahre – und dann kommt das Ende meiner Karriere.“
Es ist ein bittersüßer Abschied von einer Karriere, die von Höhen und Tiefen geprägt war. Hettich-Walz hat bewiesen, dass es möglich ist, Mutter und Spitzensportlerin zu sein, und sie hofft, dass sie damit andere Sportlerinnen inspirieren kann. Der DSV sollte hier nun Nachahmer finden und die Rahmenbedingungen für Mütter im Sport verbessern.
Denn die Weltklasse-Sportlerin weiß: „Theoretisch könnte der Verband auch sagen: Da vertrauen wir dir nicht und jetzt schaust du, wie du wieder auf die Beine kommst.“
Die Zukunft wird zeigen, ob Hettich-Walz noch einmal die Stärke findet, sich für ein paar weitere Rennen anzumelden. Doch eines ist klar: Ihr Vermächtnis als Pionierin im Biathlon wird bleiben. Sie hat gezeigt, dass auch nach der Mutterschaft noch ein Leben im Leistungssport möglich ist, wenn der Wille stark genug ist.
