Bianca valenti riss die wellen auf und zerreißt die geschlechtergrenzen
80 000 Menschen, keine Tribüne, keine Stühle – nur eine natürliche Arena aus Wasser und Fels. Bianca Valenti paddelte als eine der wenigen Frauen jemals in Waimea Bay, Hawaii, hinein in die Eddie Aikau-Show und raus aus der Unsichtbarkeit des Big-Wave-Surfens.
Der milanese vater, die kalifornische welle und ein italienischer abstecher
Valenti spricht mit leichtem Akzent, „ci provo a parlare italiano“, sagt sie und lacht. Geboren wurde die 40-Jährige in den USA, doch ihre Wurzeln schlagen in Mailand, wo ihr Vater Duilio einst als 21-jähriger Koch-Azubi die Heimat verließ. Heute steht hinter seinen Töpfen in San Anselmo, während seine Tochter auf 15-Meter-Monsterwellen jagt. Ihr einziger italienischer Surf-Trip? Trinità d’Agultu, Sardegnen, Sommer 2006 – kurz nach dem italienischen WM-Triumph, den sie in Biarritz miterlebte. „Ich flog zurück, weil eine Swell kam. Es war klein, aber verdammt lustig.“
Die Karriere startete mit Longboards in Südkalifornien. Doch je größer die Wellen wurden, desto klarer das Problem: Frauen hatten keine Startbahn in der Männerdomäne. 2012 kehrte sie nach einer Auszeit an den Break von Pipeline zurück. Strategie: einfach die größte Welle nehmen. Sie gewann. „Das war mein Beweis, dass wir nicht nur dabei sein wollen – wir gewinnen auch.“

Knie zerrissen, regeln gebrochen
2014 organisierte sie zusammen mit Paige Alms, Keala Kennelly und Andrea Moller das erste reine Frauen-Big-Wave-Event in Oregon – auf sechs Meter hohen Faces, mit einem zerrissenen Innenband. Statt Startnumne die Schmerztabletten in der Neoprenjacke. Erster Platz, Funke entfacht. Daraus entstand das Committee for Equity in Women’s Surfing (CEWS). Vier Jahre Lobbyarbeit, Petitionen, Juristenbriefe. 2018 verweigerte Kalifornien der World Surf League die Permit für Mavericks, wenn keine Frauen starten. Die Liga gab nach – und erfand eine weibliche Division über Nacht.
Die Folge: Sponsoringverträge für einige Männer wurden gestrichen, die Stimmung polarisierte. Valenti: „Meine größte Angst war ein Spalt in der Community. Aber wir hatten nichts zu verlieren – nur Wellen.“

Preisgeld, mutterschutz, mikrofon
Heute fährt Valenti noch immer auf XXL-Swells, doch ihr Kampf verlagert sich in Büros. Sie fordert transparente Preisgeldtabellen, Gesundheitspläne und bezahlte Trainingslager. „Es gibt Brands, die sich mit Gender-Quote brüsten, aber auf der Teamliste stehen 25 Jungs und drei Mädels. Das rechnet sich nicht für uns – und schon gar nicht für die jungen Surferinnen, die sich fragen, wie sie ihre Reisen finanzieren sollen.“
Die nächste Stufe? Ein eigenes TV-Format für Frauen-Big-Waves, mehr Events in Europa – und vielleicht ein Italien-Stop. „Wenn sich eine Swell Richtung Mailand bewegt, bin ich startklar. Vielleicht nicht für 15 Meter, aber für 15 Millionen neue Fans.“
Die Bilanz: ein paar gebrochene Knie, ein paar gebrochene Regeln – und eine gebrochene Schallmauer. Die Welle ist noch nicht geritten, aber sie rollt. Ohne Ende in Sicht.
