Düsseldorf lässt fan springen – china zittert, saarbrücken blutet

Der Rekordmeister hat den Superstar gekapert. Fan Zhendong, zweimaliger Einzel-Weltmeister und Olympiasieger, wechselt zum Sommer vom Champions-League-Sieger 1. FC Saarbrücken-TT zu Borussia Düsseldorf. Die Ablöse liegt laut internen Kreisen im niedrigen siebenstelligen Euro-Bereich – plus Boni, die sich am chinesischen Merchandise-Umsatz koppeln. Für die TTBL ist das der größte Transfer ihrer 59-jährigen Geschichte.

Timo boll spielte den türöffner

Der 45-jährige Klubbotschafter hatte Fan schon vor zwei Jahren nach Düsseldorf lotsen wollen. Die beiden verbanden Weihnachten im Odenwald, gemeinsame Kurztrips zu Dortmund-Spielen, Nachtsessions am Tisch. „Er hat Lust auf Deutschland und die Bundesliga“, sagt Boll, „und in Düsseldorf schlägt das Herz des Sports.“ Die Vereinslegende fungierte als persönlicher Lockvogel, die sportliche Vision als Katalysator.

Andreas Preuß, Geschäftsführer der Borussia, spricht offen vom „Fan-Faktor“: chinesische Live-Streaming-Partner buchen bereits jetzt 30 zusätzliche Kameras für die kommende Saison. Der chinesische Markt allein soll den Klub in drei Jahren siebenstellig zusätzlich einbringen. „Das Risiko ist kalkuliert, die Chance einmalig“, sagt Preuß. Die Ticket-Nachfrage aus Fernost stieg binnen 24 Stunden um 380 Prozent.

Saarbrücken droht der aderlass

Saarbrücken droht der aderlass

Beim FCS herrscht Betriebsamkeit. Fan war nicht nur sportliche Leitfigur, sondern auch Hauptanziehungspunkt für Sponsoren. Ohne ihn muss der Klub mit einem Einbruch der Werbeeinnahmen rechnen, geschätzt 1,2 Millionen Euro. Manager Uwe Schäfer kündigt „unverzügliche Gegenmaßnahmen“ an, will aber nicht über Ersatz spekulieren. Intern heißt es: Nur ein Transfer von Truls Möregårdh oder Tomokazu Harimoto könnte das Loch stopfen.

Für Düsseldorf ist der Zug perfekt. Mit Fan, dem Franzosen Félix Lebrun und dem Schweden Kristian Karlsson formiert sich eine Truppe, die nicht nur die deutsche Meisterschaft, sondern erstmals seit 2018 wieder den Europapokaltitel ins Visier nimmt. Die Quote auf einen Bundesliga-Titel fiel bei Buchmachern von 3,8 auf 1,4.

Die Liga selbst profitiert: TV-Rechte für Asien wurden für die kommenden drei Jahre vorverhandelt – plus 2,3 Millionen Euro. Die TTBL wird kleiner, Düsseldorf größer, Saarbrücken ärmer. Und Fan? Er tritt in die Fußstapfen von Boll, nur mit einem Gehalt, das selbst dessen Glanzzeiten übersteigt. Die Botschaft ist klar: Wer in Deutschland Tischtennis spielen will, muss am Rhein landen.