Augsburg verspielt sieg in leipzig – schlotterbecks fehlschuss wird teuer

Der FC Augsburg fährt mit leeren Händen vom Red-Bull-Arena – und das, obwohl er 85 Minuten lang alles richtig machte. Ein verschossener Elfmeter, zwei Pfostentreffer und ein Eigentor in der Nachspielzeit besiegelten die 1:2-Niederlage in Leipzig. Die Serie von drei Siegen ist damit gerissen, der Abstand zum Strudel unten schmilzt auf magere drei Punkte.

Schlotterbeck trifft den ball, nicht das netz

Kapitän Keven Schlotterbeck stand in Minute 22 da, wo man als Abwehrspieler selten steht: auf dem Punkt. Sein Schuss war hart, aber auch harmlos. Vandevoordt tauchte ab, parierte, und die Leipziger erwachten. Was danach passierte, war kein Fußball-Wunder, sondern ein Lehrstück über Chancenverwertung. Augsburg dominierte die erste Hälfte, spielte sich in Kombinationen, die selbst RB-Coach Rose später „außergewöhnlich mutig“ nannte. Robin Fellhauer nutzte eine davon, versenkte aus 11 Metern zum 1:0 – und hätte beinahe das 2:0 gemacht, doch Giannoulis und Kade verpassten in der 60. Minute vor dem leeren Tor praktisch im Gleichschritt.

Die Statistik nach 90 Minuten: 17:8-Torschüsse für Augsburg, 3,1 zu 1,4 xG, aber eben nur ein Tor. Die anderen landeten am Pfosten, im Fangnetz oder im Rücken der eigenen Abwehr. Denn während die Gäste nachlegten, schlichen sich in deren Strafraum zwei Leipziger ein, die bis dahin kaum jemand auf dem Zettel hatte: Diomande, 20 Jahre, noch ohne Bundesligator, und Arthur Chaves, eingewechselt in der 88. Minute. Erstere schlug per Fallrückzieher zu, Letztere lenzte die Hereingabe des Erstgenannten unhaltbar ins eigene Tor. 90.+2 – die Uhr war längst auf Nachspielzeit umgestellt, die Augsberger Köpfe bereits auf „Busfahrt“.

Baum findet trotzdem die richtigen worte

Baum findet trotzdem die richtigen worte

Trainer Manuel Baum sprach hinterher von „einem Tag, an dem der Fußball keine gerechte Währung war“. Er ließ seine Spieler nicht allein, sondern stellte sich vor die Kameras, schob die Schultern zurück und sagte: „Wir haben gesehen, dass wir mit den Besten mithalten können. Das ist keine Phrase, das ist eine Tatsache.“ Die Tatsache, dass seine Mannschaft nach dem 0:6 im Hinspiel nun zumindest die zweite Halbzeit offenkundig kontrollierte, darf als Fortschritt gelten. Die Tabelle jedoch kennt keine Moral-Sekunden. Mit 25 Punkten rutscht Augsburg auf Rang 14, nur drei Zähler trennen sie vom Relegationsplatz. Die nächsten Gegner: Dortmund, Frankfurt, Freiburg. Keine leichte Kost, aber auch keine unüberwindbaren Mauern.

Die Leipziger feiern indes den vierten Sieg in Serie und befördern sich auf Champions-League-Kurs. Marco Rose lobte „die mentale Reife, auch an einem Tag, an dem wir nicht glänzten“. Das ist die andere Wahrheit dieses Spiels: Manchmal gewinnt nicht die bessere, sondern die abgeklärtere Mannschaft. Augsburg muss nun abklären, wie viele Punkte es noch braucht, um den Abstieg zu verhindern. Die Antwort liegt irgendwo zwischen 12 und 15 – und zwischen den Pfosten, die am Samstag nicht mitspielten.