Sforza packt seine leadertrats: enthüllungen im leadertalk-podcast
Ciriaco Sforza, eine Legende des deutschen Fußballs, bricht im Sport1-Podcast Leadertalk ein offenes Buch über seine Karriere, seine prägenden Mentoren und die Herausforderungen der Führung im Leistungssport. Ein Gespräch, das weit über das Spielfeld hinausreicht und wertvolle Einblicke für angehende Führungskräfte bietet.
Die frühen jahre: verantwortung von kindesbeinen an
Sforza schildert eindrücklich, wie sein Vater, selbst ein erfahrener Fußballspieler und Trainer, ihm schon früh die Bedeutung von Wille und Leidenschaft vermittelte – Werte, die ihn stets begleiteten. „Der Mensch Ottmar Hitzfeld glaubte an diesen Menschen, einen jungen Menschen, Sforza“, erinnert sich Sforza und betont, wie entscheidend Hitzfelds Glaube an ihn für seine Entwicklung war. Bereits mit 20 Jahren wurde er zum Kopf der Mannschaft bei Grasshoppers Zürich ernannt – eine frühe Erfahrung, die ihm Verantwortung aufbürdete und ihn prägte.

Konflikte und kompromisse: der weg zum leader
Sforza war nie ein Mann, der sich den Umständen anpasste. Seine Direktheit und sein unbedingter Anspruch an sich und andere führten immer wieder zu Konflikten, insbesondere in seiner Zusammenarbeit mit Otto Rehhagel in Kaiserslautern. „Das war der einzige Fehler… ich wäre lieber zuerst zum Otto hingegangen und hätte gesagt, du, pass mal auf, Otto, ich sehe es so, so und so“, gesteht er ehrlich. Diese Erfahrung lehrte ihn, dass Klarheit den richtigen Rahmen braucht – eine Lektion, die ihn bis heute prägt.
Die Stärke des Menschlichen: Rehhagels Vermächtnis
Obwohl die Zusammenarbeit mit Rehhagel von Auseinandersetzungen geprägt war, betont Sforza dessen menschliche Qualität: „Was der uns alles gegeben hat, als Mensch, von Herzen.“ Diese Fähigkeit, Menschen zu erreichen und zu motivieren, war für ihn eine der größten Stärken des Trainers. Im Gegensatz dazu stand Hitzfeld mit seiner rigorosen Disziplin und Winnermentalität.
Sforza betont die Notwendigkeit, wieder mehr Führungsspieler in Vereinen und auf dem Platz zu sehen. Spieler, die Verantwortung übernehmen, das Team tragen und auch unangenehme Wahrheiten ansprechen. „Nicht einer alleine, sondern alle zusammen“, lautet seine Devise.
Seine Zeit bei Topklubs wie Bayern München und Inter Mailand schärfte seinen Blick auf die Bedeutung von Mentalität. Spieler wie Oliver Kahn und Stefan Effenberg lehrten ihn, was es bedeutet, wirklich zu gewinnen – nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten auf dem Platz. „Jeder will gewinnen, aber zeig es auf dem Platz.“
Als Trainer hat Sforza gelernt, dass Verantwortung umfassender ist als auf dem Spielfeld. Er betont die Bedeutung der Sensibilität im Umgang mit Menschen und die Notwendigkeit, junge Spieler zu fördern und ihnen Vertrauen zu schenken. Seine größte Freude ist es, junge Talente im Profibereich zu entwickeln und ihnen den Weg ins Ausland zu ebnen. „Das ist für mich wie eine Meisterschaft.“
Die Entwicklung eines Vereins sieht Sforza als eine Einheit, die von Leidenschaft, Winnermentalität und verschiedenen Charakteren geprägt ist. „Wenn du das nicht hast, wie willst du nur Erfolg haben?“, fragt er rhetorisch und unterstreicht die Bedeutung des menschlichen Faktors im Fußball.
Er mahnt: „Wir müssen wieder menschlicher werden.“ Ein Aufruf zu mehr Dialog, Offenheit und Zusammenarbeit – denn letztendlich geht es darum, gemeinsam erfolgreich zu sein.
