Krise der chancen: hansa rostock verspielt sieg in cottbus
Ein Tor, das niemals fiel. Zwei Großchancen, die ins Leere stoben. Das 0:0 in der Lausitz schickt Hansa Rostock mit leeren Händen nach Hause – und mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz, die am Sonntag vier werden können. Die Ostsee-Kogge drehte auf, doch der final Punch blieb aus.
Krauß und kinsombi – zwei namen, zwei patzer
Maximilian Krauß stand in der 33. Minute völlig frei. Er umkurvte Keeper Dominik Funk, hatte das halbe Tor vor sich – und stolperte über King Manus Grätsche. 60 Minuten später schoss Christian Kinsombi aus vier Metern den Ball gegen genau diesen Manu. „Er erwischt ihn auf dem falschen Fuß“, sagte Trainer Daniel Brinkmann, als hätte jemand den Rasen vermessen. Die Videos lügen nicht: Beide Male war das Netz leer, beide Male blieb es leer.
Brinkmanns Ton wird schärfer, je länger er über die Szene nachdenkt. „Er muss einfach schießen. Ein Schritt auf den rechten Fuß, Abschluss – Tor.“ Stattdessen entschied sich Krauß für den Dribbling, der Verteidiger kam quer, der Moment war hin. Der Mittelfeldspieler gesteht: „Ich hätte schießen müssen.“ Selbstkritik, aber kein Trost. Die Tabelle macht keine Rabatte.

Abwehrchef gürleyen rettet, sturm verpasst
Hinten hielt Ahmet Gürleyen die Null – und das war fast schon Routine. Mit nur 31 Gegentoren stellt Hansa die zweitbeste Abwehr der 3. Liga. Brinkmann schaltete situativ auf Fünferkette, Cottbus kam kaum durch. „Zwei Halbchancen, mehr habe ich nicht gesehen“, sagt der Coach. Die Auswärtsbilanz stimmt: erst zwei Niederlagen in fremden Stadien. Die Auswärtsstärke ist real, die Heimschwäche im Angriff auch.
Dennoch: Die englische Woche war halbwegs gelungen – sieben Punkte aus drei Spielen. „Wir haben den Anschluss gehalten“, sagt Brinkmann, doch die Worte klingen wie ein Trostpflaster. Denn der Gegner am Horizont heißt nun MSV Duisburg, Tabellendritter. Verliert Rostock dort, kann die Lücke auf sechs Punkte klaffen. Die Wochen der Wahrheit beginnen – mit oder ohne Killerinstinkt.
Krauß blickt nach vorn: „Wir müssen Duisburg schlagen und in Wiesbaden punkten, vielleicht sogar dreifach.“ Die Rechnung ist simpel, die Lage kompliziert. Wer so viele Großchancen liegen lässt, muss am Ende nicht nur mit dem Gegner, sondern auch mit sich selbst hadern. Die Saison ist nicht vorbei, aber die Uhr tickt lauter als je zuvor.
