Aston martin: ein formel-1-projekt am scheideweg?

Die Luft in Silverstone ist zum Schneiden dick. Aston Martin, einst als vielversprechende Rückkehr eines britischen Schwergewichts gefeiert, steckt tiefer in der Krise als je zuvor. Die anfängliche Euphorie, genährt von den Investitionen milliardenschweren Eigentümers Lawrence Stroll und der Hoffnung auf eine Renaissance des Teams, ist einer bitteren Realität gewichen: Das AMR26 ist ein Drama in drei Akten, das an die dunkelsten Kapitel McLaren-Hondas erinnert – und das ist kein schmeichelhaftes Kompliment.

Die daten lügen nicht: ein katastrophaler start

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und sind alarmierend. Aston Martin liegt in praktisch jeder relevanten Kategorie hinter den Erwartungen zurück. Die Differenz zu den führenden Teams in der Qualifying-Session beträgt durchschnittlich 4,05 Sekunden – eine Ewigkeit im Formel-1-Sport. Im Vergleich dazu blieben die McLaren-Boliden in keinem Rennen über drei Sekunden zurück. Selbst die problematischen McLaren-Honda-Ära von 2015 bis 2017, die von zahlreichen Zuverlässigkeitsproblemen und mangelnder Leistung geprägt war, weist in ihren schlechtesten Jahren eine bessere Bilanz auf.

Fernando Alonso, der zweifache Weltmeister, kämpft mit einem Auto, das ihm die Möglichkeiten nimmt. Einziger Lichtblick war sein starkes Rennen in Japan, aber auch hier war der Wagen deutlich eingeschränkt. Nur 62,67 % der Rennstrecken wurden von Aston Martin absolviert – ein Wert, der im Vergleich zu den 73 % der McLaren-Rennen aus dem Jahr 2016 jämmerlich wirkt.

Honda unter druck: zuverlässigkeit und leistung

Honda unter druck: zuverlässigkeit und leistung

Die Probleme liegen nicht nur am Chassis, sondern auch am Honda-Motor. Die Zuverlässigkeit ist ein gravierendes Problem, und die Leistung lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Es ist ein Teufelskreis: Ein unzuverlässiger Motor führt zu Ausfällen, was wiederum die Entwicklung behindert. Die Verantwortlichen bei Honda arbeiten fieberhaft an Lösungen, aber die Zeit drängt. Die Erwartungen waren hoch, doch bisher liefert die Einheit nicht, was versprochen wurde.

“Wir müssen ehrlich sein, es liegt an unserem Chassis, und da tragen wir unsere Schuld”, gestand Teamchef Mike Krack. “Wir sind nicht gut in schnellen Kurven, wir sind nicht am Gewichtslimit. Wenn wir das lösen, sind wir einen Schritt näher.” Diese Selbstkritik ist zwar erfrischend, aber sie ändert nichts an der aktuellen Misere.

Ein hoffnungsschimmer? die lange saison

Ein hoffnungsschimmer? die lange saison

Trotz der düsteren Aussichten ist die Saison noch lang. Wie McLaren im Vorjahr eindrucksvoll bewiesen hat, ist ein Umdenken und eine schnelle Anpassung möglich. Ein ähnliches Comeback für Aston Martin ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Fernando Alonso blickt optimistisch in die Zukunft: “Die Saison ist lang, und wenn wir die Probleme identifizieren und lösen, haben wir Zeit, in der zweiten Saisonhälfte oder im letzten Drittel eine viel bessere Position einzunehmen. Daran arbeiten wir.”

Doch während Aston Martin an aerodynamischen Updates und Gewichtsreduzierungen arbeitet, bleibt die Frage offen, ob das Team das Ruder noch herumreißen kann. Der Weg ist steinig, und die Konkurrenz schläft nicht. Die Geschichte der Formel 1 ist gespickt mit gescheiterten Projekten, die Millionen verschlungen und Träume zerstört haben. Ob Aston Martin zu diesen Projekten zählen wird, wird die kommende Saison zeigen.