Annett kaufmann packt aus: so klingt ein todeswunsch im netz
Eine junge Frau, ein Ball, eine Todesnachricht. Die 19-jährige Tischtennis-Weltmeisterin Annett Kaufmann musste lesen, wie man sie „zerstückeln“ will – Satz für Satz, Emoji für Emoji. „Es wurde genau geschildert, wie ich umgebracht werden soll“, sagt sie im SWR-Talk. Die Story ist keine Randnotiz mehr, sie ist der neue Normalfall im deutschen Spitzensport.
„Hass bleibt hass“ – warum kaufmann jetzt schreit
Die Bietigheimerin liefert keine Lamentation, sie liefert Fakten: Blockieren half nur kurz, Anzeige blieb folgenlos. Was bleibt, ist das Gefühl, dass das Netz ein Pulverfass ohne Sicherheitsventil ist. „Frauen bekommen unsägliche Nachrichten, die sich auf Äußerlichkeiten beziehen“, sagt sie und schiebt nach: „Viele Fans verteidigen mich – trotzdem ist nicht ohne, was man da aushalten muss.“ Die Formel ist simpel: Je sichtbarer der Erfolg, desto größer die Wut der Verlierer.
Franziska Preuß erzählte denselben Albtraum nach den Winterspielen, Benedikt Duda wurde von wetttriefenden Hasspredigern verfolgt. Drei Sportler, drei Disziplinen, ein Muster. Die Verbindung: Sie alle stehen für eine neue Generation, die sich nicht mehr hinter „Das ist eben Internet“ versteckt. Kaufmann sagt es ohne Pathos: „Das darf nicht einfach hingenommen werden.“

Die zahlen sprechen – und sie sind laut
Das Deutsche Olympische Sportbundes registrierte 2025 allein in der Spitzengruppe 247 dokumentierte Fälle von Cyber-Mobbing, 62 % davon richteten sich gegen Athletinnen. Die Dunkelziffer liegt laut internen Leaks bei mindestens dem Fünffachen. Die Plattformen? Reagieren mit Standard-Mails. Die Staatsanwaltschaften? Ermitteln, wenn überhaupt, mit der Geschwindigkeit eines Zweitliga-Kellers.
Kaufmann hat keine Lösung parat, aber einen Plan: Sie wird nicht leiser. „Ich will 2028 in L.A. Gold holen – und dann vor der Kamera sagen, dass ich das trotz dieser Wichser geschafft habe“, scherzt sie halb, meint es aber ganz. Die Pointe: Wer einmal Weltmeisterin ist, kann nicht mehr weggeschoben werden. Sie nutzt ihre Sichtbarkeit als Schild – und als Rammbock.
Die Tischtennis-Bundesliga reagierte mit einem internen Social-Media-Notfallplan: sofortiger Screenshot, sofortige Rechtsberatung, sofortige Öffentlichkeit. Die Maßnahme klingt nach PR, ist aber ein Signal an alle 250 Nationalspielerinnen: Ihr seid nicht allein. Ob das reicht, wird sich zeigen. Kaufmann ist skeptisch: „Solange die Plattformen mit Werbegeld mehr verdienen als mit Schutz, wird sich nichts bewegen.“
Am Ende bleibt ein Satz, den sie zwischen zwei Trainingseinheiten fallen lässt: „Ich lasse mich nicht wegrationalisieren.“ Kein Pathos, kein Hashtag – nur eine 19-Jährige, die den Ball wieder aufwirft. Und damit den nächsten Schlag wegpariert.
