Orlando schreibt geschichte: bane und da silva schießen cavs ab
Die Orlando Magic schlagen nie zu früh auf. 128:122 gegen Cleveland – und plötzlich stehen sie bei fünf Siegen nacheinander. Das hatten sie in dieser Saison noch nicht geschafft. Die Cavs schauten sich die letzten 17,4 Sekunden an wie ein Fahrer, der ins Schleudern kommt und nur noch den Feuerball vor sich sieht.
Desmond Bane war der Feuerball. Sein Dreier kurz vor dem Ablauf war kein Glückstreffer, sondern ein Statement. 35 Punkte, sechs Rebounds, sechs Assists – und kein einziges Zucken in den Beinen, als die Uhr runterlief. „Ihr fragt mich gar nicht, was ich über Tristan denke?“, warf er Reportern vor, die ihn nach dem Spiel löcherten. Dabei war der Deutsche die halbe Story.
Da silva liefert die antwort auf jene, die franz wagner vermissen
Tristan da Silva traf in den letzten zwölf Minuten neun Punkte – zwei Dreier waren reinste Seelenmassage. 23 Punkte insgesamt, sein Saisonhigh. Seit Anfang März schreibt der 24-Jährige mit 12,4 Punkten, 6,2 Rebounds, 3,0 Assists und 1,6 Steals Statistiken, die wie aus einem anderen Leben klingen. Ob Bank oder Startformation, egal. Orlando braucht ihn gerade mehr als je zuvor.
Das liegt auch daran, dass Franz Wagner weiterhin in der Reha steckt. Sein Comeback hängt an der nächsten MRT, die in den kommenden Tagen fällig wird. Ohne ihn wäre Orlando eigentlich angezählt. Stattdessen rollt der Angrug weiter, weil da Silva jetzt auch komplizierte Würfe trifft, die er vor zwei Monaten noch verfehlt hätte.
Die Zahlen sind schonungslos: nur sechs Ballverluste, 56 Punkte im Paint. Cleveland kam zwar auf 13 Punkte heran, aber Orlando blieb kühl wie ein Eiswürfel in der Hand eines Barkeepers. Die Crunchtime ist kein Schreckgespenst mehr, sondern ein eigenes Viertel, in dem die Magic seit Wochen die Oberhand behalten.

Bane und da silva – ein duo, das sich selbst erfunden hat
„Er arbeitet konstant, ist ein super smarter Spieler und hat keine Angst vor großen Momenten“, sagte da Silva über Bane. Das klingt nach Klischee, ist aber Fakt. Bane scherzte zurück: „Er verbindet auf beiden Seiten des Feldes alles.“ Gemeint ist: da Silva verteidigt jetzt auch mal auf dem Flügel, schaltet um wie ein Formel-1-Getriebe und trifft dann den Dreier, der die Gegner in die Knie zwingt.
Orlando liegt damit weiter im Rennen um die direkten Play-off-Plätze. Die Tabelle ist so eng wie eine U-Bahn-Rushhour. Ein Verlust hätte die Magic zurück auf den Boden der Tatsachen gepustet. So aber fliegen sie weiter, während Cleveland fragt, wie lange man noch auf Donovan Mitchell und James Harden warten will, bis sie die Serie drehen.
Die nächste Woche bringt Oklahoma City – ein Gegner, der ebenfalls nichts verschenkt. Für da Silva ist das eine weitere Bühne, für Bane eine weitere Crunchtime. Und für Orlando vielleicht schon der sechste Sieg in Folge. Die Magic haben sich selbst neu erfunden – ohne Wagner, aber mit einem Deutschen, der plötzlich alles trifft, und einem Guard, der sich die großen Momente einfach klaut.
