Alonso kommt verspätet nach suzuka – baby-glück statt boxenfunk
Suzuka – statt Boxenstopp Windelschlag. Fernando Alonso trat den 428. Grand Prix seiner Karriere mit zwei Stunden Verspätung an, weil er zuerst den wichtigsten Rennstall seines Lebens gründete: Familie. Die Geburt seines ersten Kindes mit Melissa Jiménez ließ ihn die Nacht durchwachen, den Flieger am Morgen erwischen und direkt ins Auto steigen – mit 0 Stunden Schlaf, aber 100 Prozent Adrenalin.
Der amr26 bleibt ein brummkreisel
In der zweiten Freien Übung fehlte am Donnerstag nicht nur der Schlaf, sondern jede Spur von Speed. Der AMR26 zittert sich durch die schnellen 130-R-Kurven wie ein Mixgerät ohne Deckel. Alonso: „Wir haben neue Teile, aber sie fühlen sich nicht neu an.“ Die Zeiten liegen fast eine Sekunde hinter dem schon als langsam geltenden Cadillac von Valtteri Bottas. Das Auto ist das Schlusslicht, Honda-Kunden oder nicht – in der Heimat des Motorenpartners wird das eigene Werk zum Schandfleck.
Die Vibrationen sind nicht nur ein Zahlenwert im Telemetrie-Ausdruck. Sie rauben dem Spanier in Suzuka das Gefühl für Grenzbereich, zwingen ihn, früher zu bremsen, später zu beschleunigen. Ein Kreuzverhör mit seinem Rücken, der schon in Budapest vor zwei Jahren streikte und trotzdem fast die Pole holte. Die Physiotherapeuten haben ihm heute Nacht keine Zeit gegeben, die Wirbelsäule zu frickeln. Stattdessen schlüpfte er direkt vom Flugzeug in den Cockpit-Sitz. „Jet-Lag ist kein Problem, wenn du weißt, warum du ihn dir antust“, sagt er und meint das Baby, nicht den Boxenstop.

Ein erklärtes ziel: die zielflagge sehen
Punktplatzierung? Fehlanzeige. Aston Martins einzige Mission für Sonntag: „Erstmals in dieser Saison die volle Distanz.“ Pedro de la Rosa, der Teambotschafter, sagt es ungeschminkt: „Wir wissen, dass wir langsam sind, aber ein Ausscheiden wäre das Schlimmste für die Datenbank.“ Alonso nickt, während er den overall- Reißverschluss hochzieht. „Wenn du dein Kind im Arm hattest, verlierst du die Geduld mit Motoren, die nicht anspringen, nicht mit Menschen, die versuchen, es zu reparieren.“
Die 53 Runden von Suzuka werden für ihn kein Sprint, sondern eine Schaukelfahrt. Startplatz 18, nur zwei Positionen vor dem letzten, hinter den beiden Haas-Fahrern, die ohnehin als wandernde Hindernisse gelten. Doch die Boxenmauer ist heute voller frischgebackener Väter. Mechaniker haben rosa Schnuller an die Monitore geklebt. Die Crew kennt das Programm: rein, durchhalten, raus – und dann nach Hause, wo ein Namenloser schon auf seinen ersten Rennsound wartet.
Alonso selbst kassiert heute keine Punkte, aber er hat schon den größten Pokal geholt. Die Zielflagge wird nur noch aus Tradition gezeigt. Die Siegerehrung fand bereits in einem Kreißsaal statt. Wer jetzt fragt, ob er 2026 noch fährt, versteht die Antwort in seinem müden Grinsen: Er fährt schon. Für zwei.
