Pato packt aus: so empfing ihn maldini im milan-trikot und warum ancelotti alle aufstand
Wenn Alexandre Pato von seiner Ankunze beim AC Milan erzählt, klingt das wie ein Kapitel aus einem Football-Märchenbuch – nur dass es wahr ist. „Rechts neben mir im Umkleidekabine stand Paolo Maldini, gegenüber saßen Kaká und Ronaldo. Als ich hereinkam, sagte Carlo Ancelotti: ‚Alle hoch!‘ Jeder Spieler kam, um mich zu begrüßen. Ich dachte: ‚Respekt, das ist pure Hingabe‘“, so der Brasilianer in einem Exklusiv-Interview mit ‚The Athletic‘.
Der milan war keine mannschaft, sondern eine familie
Pato weist nach, warum diese Truppe zwischen 2007 und 2011 Titel sammelte wie andere Stickerbilder. „Wir haben nicht einfach nur gespielt – wir haben gelebt. Jeden Tag beim Training dachte ich: ‚Wenn diese Legenden sich so reinhängen, was muss ich dann erst leisten?‘ Das hat mich gepusht.“ Dabei verspürte der Stürmer nie den Druck, der neue Ronaldo zu sein, obwohl europäische Zeitungen ihn genau das nannten. „Ich wollte nur Fußball spielen, weil ich Fußball liebte“, sagt er.
Der 36-Jährige blickt aber auch auf die Schattenseiten. Drei schwere Muskelverletzungen bremsten seine Entwicklung. „Die Leute sehen nur das 90-Minuten-Bild. Sie sehen nicht die endlosen Reha-Stunden, die Schiene nachts, die Angst, nie wieder durchzustarten.“ Nach jedem Comeback folgte das nächste Zwickern. „Zwei Spiele, dann wieder Krankenrezept. Das frisst Energie und Selbstvertrauen.“

Wie ein brasilianischer straßenkick zu einem europäischen traum wurde
Geboren in Pato Branco, schon als Kind mit dem Etikett „neuer Pelé“ versehen, verflog Pato mit 17 Jahren nach Mailand. „In Brasilien sagt dir jeder, du seist der Nächste. In Mailand sagten sie, ich sei der neue Ronaldo. Aber ich wollte einfach nur laufen, treffen, lachen.“ Die Zahlen sprechen trotzdem: 63 Tore in 150 Einsätzen, Meisterschaft 2011, Club-WM 2007. Seine Torquote blieb selbst nach Verletzungen atemberaubend – wenn er spielte.
Heute coacht er Nachwuchskicker, analysiert Spiele für brasilianische TV-Sender und wirkt als Mentor für Talente, die ebenfalls mit dem „neuen Neymar“-Label aufwachsen. „Ich erzähle ihnen: ‚Lasst die Vergleiche draußen. Trainiert, weil ihr Spaß daran habt, nicht weil ihr jemand anderes sein wollt.‘“
Pato schließt das Interview mit einem Satz, der nicht nur Sportler erreicht: „Eine Karriere ist wie ein Sprint auf Glasplättchen – wenn du zu fest stampfst, brichst du dir das Bein. Bleib locker, bleib bescheiden, dann hält der Boden.“ Für den ehemaligen Wunderknaben war der Boden in Mailand einst Marmor – glatt, kalt, aber unvergessen.
