Agnes reisch schreibt geschichte: 208,5 m katapultieren sie auf platz eins der deutschen flug-queen-tabelle
Der Vikersundbakken bebt. Die 26-jährige Agnes Reisch legt sich in die Flugphase, bleibt eisern in der Hocke, und dann passiert es: 208,5 Meter. Deutschland hat eine neue Skiflug-Rekordhalterin – und das nur wenige Stunden, nachdem Juliane Seyfarth dieselbe Marke auf 202,5 m gesetzt hatte.
Die zahlen, die alles sagen
208,5 m bedeuten 6,5 Meter Vorsprung auf Selina Freitags bisherige Bestweite aus dem Vorjahr. Drei deutsche Athletinnen haben damit die 200-Meter-Schallmauer durchbrochen; ein Quartett, das vor zehn Jahren noch undenkbar war. Reisch selbst war nach dem Aufsetzen sichtlich mitgenommen: „Ich hab nur noch gebrüllt“, sagte sie im Mixed-Zone-Gestühl – und das war keine PR-Show, sondern rohe Entladung nach Jahren, in denen sie hinter den großen Namen hersprang.
Katharina Schmid, siebenmalige Weltmeisterin, bleibt indes bei 198,5 m stehen. Ihre Sprünge am Freitag (120,5 – 182,5 – 163,5 m) reichen nur mit Mühe für den Einzug in den morgigen Einzelwettkampf. „Ich will unbedingt noch die 200 Meter schaffen“, hatte sie angekündigt. Der Plan steht, die Zeit läuft. In zwei Tagen endet ihre Karriere.

Was das über den zustand des deutschen skifliegens aussagt
Die deutschen Trainer reden seit Jahren von der „Breite der Spitze“. Jetzt ist sie greifbar. Mit Reisch, Seyfarth und Freitag verfügt der Deutsche Skiverband erstmals über ein Trio, das sich nicht an vereinzelten Weltklassesprüngen, sondern an Konstanten orientiert. Die Konkurrenz im eigenen Lager treibt die Leistung – und schützt vor dem Gefühl, angekommen zu sein.
Der Weltrekord liegt weiter bei Nika Prevc (236,0 m), doch die Distanz schrumpft. Reisch’ Flug war keine Glanzleistung eines Tages, sondern Resultat eines strukturierten Sommertrainings auf der Schweizer Gletscheranlage. „Wir haben die Angriffslänge im Hill-Zug optimiert“, sagte Bundestrainer Andreas Bauer, „und Agnes ist endlich frei gesprungen.“
Am Samstag folgt der erste Einzel-Wettkampf, am Sonntag das Team-Event. Sollte der Wind mitspielen, könnte Vikersund weitere Rekorde schreiben – und Schmid vielleicht doch noch die 200 m reißen. Die Saison neigt sich dem Ende zu, aber die deutschen Flug-Queen-Duelle haben gerade erst begonnen.
