Mainz taumelt vom europapokal-taumel direkt in den abstiegssturm
Der Rausch dauerte keine 72 Stunden. Erst jagte Mainz die halbe Republik durch das Conference-League-Wunder gegen Olmütz, nun warten 90 Minuten, die über Sein oder Nichtsein entscheiden können. Sonntag, 15.30 Uhr, Rhein-Main-Derby: Eintracht Frankfurt gastiert im Mewa-Forum – und könnte die Nullfünfer mit einem Schlag wieder auf Relegationsplatz 16 drücken.
Fischer schaltet von jubel- auf überlebensmodus
Urs Fischer sieht keinen Grund für Euphorie-Bremsen, auch wenn die Anspannung seine Stimme tragen lässt. „Die Jungs wissen: Frankfurt ist wichtiger als Olmütz“, sagt der Schweizer und wischt die Rest-Feierlichkeit beiseite. Drei Punkte Vorsprung auf den Strich, das ist der eiserne Maßstab, den sich seine Mannschaft selbst gesetzt hat. Ein Sieg würde den Rückstand auf die Europa-League-Plätze verkürzen, eine Niederlage könnte Mainz in den freien Fall schicken. Die Cijfers sind gnadenlos: Bei 26 Zählern aus 25 Spielen ist jeder weitere Punkt ein Stück Atemmaske.
Frankfurt kommt mit eigener Mission. Unter Albert Riera hat die Eintracht zuletzt zwei Mal gewonnen, das 3-5-2 funktioniert wie ein Uhrwerk, und vor allem: sie besitzen den Ball. „Das zwingt uns, Laufwege früher zu erkennen und Zugriffszeiten zu verkürzen“, erklärt Fischer. Seine Antwort: ein 4-4-2 mit doppeltem Sechser, das schon in Olmütz die Räume zustellte. Der Vergleich hinkt, klar – Europa ist schön, aber die Bundesliga schlägt gnadenlos zu.

Mainz braucht eine antwort auf rieras ballbesitz-fußball
Personell droht ein Fiasko. Stefan Bell fehlt gelbgesperrt, Nikolas Veratschnig laboriert an der Hüfte, und Lee Jae-sung wird bis spätestens Samstag getestet. Die Lösung könnte Edimilson Fernandes sein, der nach seiner Einwechsel-Kurzvorstellung gegen Olmütz als Sechser-Heizer gilt. „Er bringt uns Laufkraft und vertikale Pässe“, schwärmt Fischer, der weiß, dass Mainz nur mit Tempo die Frankfurter Pressing-Falle sprengen kann.
Die Fans spüren die Zerreißprobe. 25 000 Karten sind restlos weg, darunter 3 000 Anhänger aus Hessen, die den Bahnhofsvorplatz bereits in Schwarz-Weiß tauchen. Sicherheitskräfte bereiten sich auf ein Spitzenspiel vor, das mehr ist als drei Punkte: Es ist ein Duell zweier Modelle – Mainz’ leidenschaftliche Laufkultur gegen Frankfurts neu erwachte Ballkontrolle. Wer dieses Mal die Nase vorn hat, bestimmt nicht nur die Tabelle, sondern auch die Psyche der restlichen Saison.
Der Countdown läuft. In 48 Stunden wissen wir, ob Mainz’ Europacoup nur ein Kurzstreckenfeuer war oder ob diese Mannschaft tatsächlich gelernt hat, zwischen den Welten zu switchen. Für Fischer steht fest: „Wir brauchen dieselbe Intensität wie gegen Olmütz, nur über 90 Minuten, nicht nur 30.“ Die Liga wartet nicht auf Helden, sie verlangt Konstanz. Und die beginnt am Sonntag mit Pfiff – 15.30 Uhr, Anpfiff, Abstiegskampf pur.
