Spanien dreht die wm-karten: finalíssima geplatzt, neue gesichter im rennen
Die Absage des Showdowns mit Argentinien war kein Rückschlag – sie war die Erlaubnis, neu zu denken. Während andere Nationen einfach nur testen, nutzt Luis de la Fuente den gestrichenen Finalíssima-Termin, um heimlich die Kader-Bombe zu zünden.
Warum joan garcía und co. jetzt plötzlich chancen haben
Die Rechnung ist simpel: Weg von der prestigeträchtigen, aber belastenden Copa-Sieger-Partie, hin zu zwei unterschätzten Duellen, die Spanien erlauben, bis zu vier Jungspunde mit Welt-Potenzial zu prüfen. Joan García, der Espanyol-Keeper, war gestern noch Reserve hinter Unai Simón. Heute steht er im Kader, weil die Logistik der Absage Platz geschaffen hat. Gleiches gilt für Cristian Mosquera, 20, Valencia-Verteidiger mit Sprintwerten, die sich mit Lamine Yamal vergleichen lassen.
Der Plan: Serbien am 27. März in Villarreal vor 22.000 eigenen Fans auseinandernehmen – so wie im Oktober, als Laporte, Morata und Baena für das 3:0 sorgten – und anschließend gegen ein ägyptisches B-Team, das ohne den verletzten Mohamed Salah und nach 19 Jahren WM-Abstinenz nach Barcelona reist. Die Pharaonen sind zwar Afrika-Halbfinalist, doch ohne ihren Liverpool-Abgänger wirkt der RCDE Stadium-Termin wie ein Sparring gegen den eigenen Angriff.
Die Zahlen sprechen für De la Fuente: In der letzten Nations-League-Gruppe kreierten seine Spieler 4,7 xG pro Spiel – ein Wert, den zuletzt nur der französische Champions-League-Sieger überbot. Die Niederlage im Halbfinale gegen Kroatien? Vergessen, sobald Víctor Muñoz sein Debüt feiert. Der 22-jährige Girona-Mittelfeldstratege führt die Liga in Ballgewinnen im letzten Drittel.

Die wette hinter der umbaumaßnahme
Die spanische Lotterie für Sportwetten hat die Quote auf einen erneuten Weltmeistertitel von 9,0 auf 7,5 gedrückt – ohne dass ein Ball gerollt ist. Grund: Der vermeintliche Schaden der Finalíssima-Absage mutiert zum strategischen Coup. Statt 180 Minuten gegen Messi & Co. mit Ermüdungsrisiko bekommt De la Fuente 180 Minuten, um Ander Barrenetxea an der linken Außenbahn einzuschleusen. Der Real-Sociedad-Flügel liefert seit Wochen Dribblings in Serie, die sich nur mit frühen Vinícius-Videos vergleichen lassen.
Der Nebeneffekt: Morata, der neue Kapitän, spart sich Reiselast und kann vor heimischem Publikum seine Torquote ausbauen – nützlich, wenn im Sommer in den USA die K.-o.-Phase beginnt. Spanien trifft dort voraussichtlich auf den zweiten Platz der Gruppe H – momentan winkt ein Achtelfinale gegen Kamerun oder die Schweiz, kein Argentinien, kein Brasilien.
Die Botschaft an die Konkurrenz: Wer auf dem Papier einen Freundschaftsverlust kassiert hat, hat auf dem Rasen zwei Testgewinne eingefahren. Die FIFA-Zwangspause war kein Bug, sie war das Upgrade. Und wenn García am 27. März gegen Serbien den ersten sauberen Halt zeigt, ist das Ticket nach Amerika so gut wie gelöst. Die Liste mit 26 Namen wird am 15. Juni veröffentlicht – bis dahin hat De la Fuente seine Experimente abgeschlossen. Die Gegner schauen bereits hinüber zur anderen Seite des Lostopfs. Spanien lacht. Die Finalíssima ist tot – es lebe die neue Generation.
