Sinner trifft auf chang-schützling tien: kaliforniens heimlicher hoffnungsträger
Indian Wells – Das Tennis-Turnier der Superlative liefert schon im Viertelfinale den Knaller: Jannik Sinner muss gegen einen Mann ran, der sich seit zwölf Monaten mit Michael Chang die Nächte um die Ohren schlägt. Sein Name: Learner Tien. 20 Jahre, Linkshänder, in Irvine geboren – und längst kein Geheimtipp mehr.
Chang coacht, tien lernt – das duo arbeitet auf zeit
Die Zusammenarbeit entstand über einen Anruf des Managements. „Wir wollten jemanden, der weiß, wie man aus Rohdiamanten Schleifsteinform bringt“, sagt Tien. Chang sagte sofort zu. Seitdem schraubt er an Aufschlag, Return und vor allem an der Mentalität seines Zöglings. Zwei Titel binnen drei Monaten – Metz und die Next-Gen-Finals – ließen die Branche aufhorchen. „Ich habe mir vorgenommen, vor 20 mein erstes ATP-Turnier zu gewinnen. Metz war die letzte Chance, es hat geklappt“, erzählt er ruhig, als hätte er nur einen Satz Schulaufsatz vorgetragen.
Die Gegner analysieren mittlerweile Video für Video. Tien kennt das, er findet’s spannend. „Je öfter ich die Besten treffe, desto schneller füge ich neue Puzzlesteine in mein Spiel ein.“ Dabei bleibt er sich selbst treu: keine Lust auf Rampenlicht, keine Show, nur Tennis. Auch deshalb liebt er Indian Wells. „Ich saß als Kind auf genau den Rängen, auf denen ich jetzt spiele. Das ist kein Karriere-Check, das ist ein Kreis, der sich schließt.“

„Sinner kann dir das brett wegreißen“
Gegen Sinner reicht kein halbes Prozent Nachlass. „Er und João haben eine Wucht mitgebracht, dass die Bälle pfeifen“, warnt er nach dem Achtelfinale seines Kontrahenten. Chang habe ihm eingetrichtert, sofort hochzugehen, keine Sekunde zu zögern. „Wenn du gegen Jannik nur eine Ballmaschine spielst, nimmt er dir die Rackete aus der Hand.“
Physis sei noch das größte Feld, räumt Tien ein. „Ich wiege noch keine 80 Kilo, das merke ich im Schultervergleich mit ihm.“ Also folgen Sprinteinheiten bei 38 Grad Schatten, Kraftblock im Fitnesscontainer neben Court 4, Protein-Shakes statt Milkshakes. „Michael sagt, erst wenn ich 20 Kilo mehr Druck im Oberschenkel habe, kann ich mein Spiel auf Level zwei drehen.“
Ziel 2026? „Top 100 im Doppel“, lacht er. Klingt verrückt, ist aber Teil der Masterplan-Map. „Doppel macht mich kreativer für den Return, ich sehe mehr Bälle, mehr Winkel.“ In dieser Woche spielte er mit Medwedew, dem Einzel-Quotenstar. „Daniil fragte locker, ob ich Lust hätte. Michael zuckte nur mit den Schultern: ‚Solange ihr keine Show veranstaltet, okay.‘“
Der Plan steht: Erst Sinner bezwingen, dann die Weltrangliste erobern. Und wenn das nicht klappt? „Dann habe ich trotzdem gegen den besten Spieler der Welt auf meinem Heimcourt gestanden – mehr kann ein 20-Jähriger nicht verlangen.“
