Sinner jagt medvedev und den letzten fehlenden masterstitel

Um 22.15 Uhr Ortszeit geht es los – und um 22.15 Uhr beginnt für Jannik Sinner möglicherweise die Nacht, in der er Indian Wells endlich einreiht in seine Sammlung. Gegen Daniil Medvedev, den Mann, der ihn einst zum Albtraum erklärte, steht der Südtiroler im Finale des ersten Masters-1000-Jahres. Der Belag: Hartplatz. Das letzte Puzzlestück, das ihm noch fehlt.

Der russe, der zurückkam

Medvedev war abgeschrieben. Mit 30 Jahren, ohne Turniersieg seit neun Monaten, klang seine Karriere nach dem Viertelfinal-Aus in Melbourne wie ein Geiger, der sich verstimmt. Dann Brisbane, Dubai – und jetzt Indian Wells ohne Satzverlust. Die Zahlen: 18 Matches, 18 Siege im neuen Jahr. Die Botschaft: Er ist wieder in der Top-10, bei einem Triumph heute Nacht springt er auf Platz 9. „Ich spüre, wie sich die Reserve wieder füllt“, sagte er nach dem Halbfinale gegen Alcaraz, das er in 91 Minuten abwickelte. 6:3, 7:6(3) – keine Lücke für den Weltranglistenersten.

Sinner hingegen musste gegen Zverev eine Schippe drauflegen. 6:2, 6:4 lautete das Ergebnis, doch die Statistik verrät: Er ließ nur fünf Punkte auf dem ersten Aufschlag des Deutschen zu. Ein Statement. Und ein Warnschuss für Medvedev.

Die head-to-head-bilanz kippt

Die head-to-head-bilanz kippt

Lange stand es 6:0 für den Russen. Dann kam Oktober 2023, Peking, und Sinner drehte den Spieß um. Seitdem gewann er acht der letzten neun Duelle. Führung: 8:7. Doch die Zahlen tauschen: In Masters-1000-Finals ist Medvedev 6:2, Sinner 2:3. Wer den Countdown liebt, findet hier Stoff.

Die Spannung liegt auch in der Rangliste. Sinner hat mit dem Finale 650 Punkte auf Alcaraz gutgemacht. Gewinnt er, schrumpft der Rückstand auf 1.150 Zähler. Die Saison ist noch jung, aber die Psychologie wirkt sofort. „Jeder Punkt zählt doppelt“, sagte Sinner vor dem Match. Er spricht schnell, fast zu schnell, als wolle er sich selbst überholen.

Warum indian wells das fehlende juwel ist

Warum indian wells das fehlende juwel ist

Die Sonne von Kalifornien hat Sinner bisher nur geblendet. Dreimal war er schon im Halbfinale, zweimal im Viertelfinale, nie auf dem Thron. Das „Fünfte Grand-Slam-Turnier“, wie die Spieler den WM-Platz nennen, ist das einzige Masters-1000-Event auf Hartplatz, das ihm fehlt. Mit einem Sieg wäre er erst der fünfte Spieler, der alle neun Masters auf Hartplatz gewonnen hat – nach Federer, Djokovic, Murray und Alcaraz.

Medvedev kennt das Gefühl. 2019 triumphierte er hier, sein erster Masters-Titel überhaupt. Seitdem wartet er auf die zweite Krönung. „Ich weiß, wie leise die Wüste wird, wenn man gewinnt“, sagt er. „Und wie laut sie wird, wenn man verliert.“

Die Uhr tickt. In den Stufen des Stadions summen die Handys, die Temperatur fällt auf 18 Grad. Die Kühlpacks liegen bereit, die Beine sind schon warm. Wer heute zittert, verliert. Wer trifft, gewinnt. Und vielleicht beginnt danach eine neue Ära – oder eine alte kommt zurück.