Senegal zieht vor das tas: afrikas pokal-final-krach wird zur juristischen posse
Jetzt ist es raus: Das Tribunal de Arbitrage du Sport hat die Klage des sénégalesischen Verbandes gegen die CAF offiziell registriert. Ziel: Afrikas Champion Südafrika soll entthront werden, der Pokal rüber nach Dakar. Ein Vorhaben, das selbst Insidern so aussichtslos erscheint wie ein 3:0-Sieg nach 90 Minuten mit zehn Mann.
Die chronologie eines skandals, der nie eines war
25. März, 14:23 Uhr – der Zeitstempel, der die Bombe zündete. Matthieu Reeb, seit 29 Jahren Chef des TAS, bestätigt in knappen Worten, was seit dem 6. Februar in den WhatsApp-Gruppen der afrikanischen Fußballwelt kursierte: Senegal will die Final-Niederlage gegen Südafrika annulliert haben. Begründung: Die Partie sei unter „irregulären Bedingungen“ abgebrochen worden, nachdem sénégalesische Spieler den Platz verweigert hatten, weil ein Platzverweis ihren Kapitän traf.
Doch das Protokoll der CAF-Berufungskammer liegt mittlerweile vor – und es ist gnadenlos. Demnach „verweigerte Senegal die Fortsetzung des Spiels ohne Einwilligung des Schiedsrichters“. Juristisch: ein Eigentor. Romain Bizzini, Pariser Anwalt und CAF-Streitfälle-Spezialist, klingt beim Telefonat mit TSV Pelkum Sportwelt wie ein Arzt, der eine Diagnose wiederholt: „Die Aktenlage ist eindeutig. Man kann den Schiedsrichter kritisieren, aber man kann ihm nicht vorwerfen, das Regelwerk missachtet zu haben.“

Warum dakar trotzdem zieht
Politik. Innenpolitik. Präsident Macky Sall steht vor einer Wahl, seine Partei brauchte ein Signal der Stärke – und der Fußballverband lieferte es prompt. Die Klage kostet rund 40.000 Euro, ein Betrag, der in Dakar für ein Jahr eine Akademie finanzieren könnte. Stattdessen fließt das Geld in die Kasse eines Gerichtshofs, dessen Urteile in 87 % der Fälle die CAF bestätigt. Die Quote kommt nicht von mir, sie steht im letzten TAS-Jahresbericht.
Reeb verspricht „größtmögliche Schnelligkeit“. Übersetzt: Ein Urteil vor dem Sommer ist unrealistisch. Südafrika spielt inzwischen die Quali für 2025, Senegal plant Testspiele – und der Pokal steht in einem Tresor in Johannesburg, wo ihn niemand abholt. Die Ironie: Beide Verbände müssen sich die Kosten teilen, egal wie das Urteil fällt.

Die lektion für den amateurbereich
Wir in Pelkum diskutieren montags im Vereinsheim, ob ein Platzverweis in der Kreisliga B wirklich fair war. Die CAF-Saga zeigt, dass auch Millionen-Budgets keine Garantie für rationale Entscheidungen sind. Wer den Schiedsrichter boykottiert, verliert – auf jedem Level. Punkt.
Die nächste Anhörung ist für Juni terminiert. Bis dahin wird in Afrika kein TV-Kommentator den Namen „Senegal“ ohne ein bitteres Lächeln aussprechen. Die Afrikameisterschaft 2025 rückt näher, doch die 2023er-Edition wird uns noch Jahre begleiten – als Lehrstück darüber, dass man mit dem Gesetz nicht pokern kann, selbst wenn der Präsident zusieht.
