Sebastian kehl: nach bvb-aus – jetzt jagt ihn der hsv

Sebastian Kehl ist frei. Der 46-Jährige verließ Borussia Dortmund vorzeitig, und noch bevor die Tür in Schwarz-Gelb ganz zufiel, kreisten die ersten Haie um ihn. Spitzenreiter: der Hamburger SV. Die Hanseaten suchen einen Nachfolger für Stefan Kuntz, und sie haben Kehl schon länger auf dem Zettel. Jetzt wird es ernst.

Warum hamburg auf kehl setzt

Die Suche nach Kuntz’ Erben läuft seit Januar. Offiziell ruht sie bis zum Sommer, doch hinter den Kulissen brodelt es. Eine externe Beratungsfirma soll einen Kandidatenkreis sichten, doch wer glaubt, dass Hamburg bis August untätig bleibt, kennt die Abläufe an der Elbe schlecht. Kehl bringt das, was der Klub seit Jahren vermisst: Bundesliga-Know-how, Netzwerk, Strahlkraft. Kein Wunder, dass Sportchef Jonas Boldt ihn schon vor dem Dortmunder Knall heimlich auf die Liste setzte.

Doch es gibt einen Haken. Kehl verließ den BVB nicht im Triumph, sondern nach internen Querelen. Fragen nach seiner Führungsstärke bleiben. Hamburg plant deshalb eine doppelte Spur: Neben Kehl steht mit Claus Costa ein interner Favorit. Der 41-jährige Sportdirektor genießt Vertrauen, kennt die Strukturen, spricht das Klub-Kauderwelsch. Wer jetzt die Nase vor hat, entscheidet sich in den nächsten Wochen – und hängt auch daran, wer sich bereit erklärt, vor Sommer an Bord zu springen.

Wolfsburg zieht den kürzeren

Wolfsburg zieht den kürzeren

Neben Hamburg wurde Kehl auch dem VfL Wolfsburg angeheftet. Dort sucht man seit der Suspendierung von Peter Christiansen einen Geschäftsführer Sport. Doch die Wahrheit in der Autostadt ist hart: Steigt der VfL ab – derzeit sieben Punkte hinter dem Relegationsplatz –, platzt die Budgetplanung. Ein Gehaltspaket im oberen einstelligen Millionenbereich für Kehl wäre dann Makulatur. Hamburg hingegen kann planen: Neun Punkte Vorsprung auf Wolfsburg, Stadion ausverkauft, Investor Kühne offen für Investitionen. Die Kursdifferenz ist größer als die Tabelle verrät.

Für Kehl heißt das: Entscheidung zwischen zwei Klubs, die beide Europapokal schwören, aber nur einer kann liefern. Die Hanseaten winken mit Perspektive, einem lebhaften Umfeld und der Chance, aus der Kuntz-Pause eine klare Sportlinie zu ziehen. Wolfsburg bietet ein Risiko, das sich ausrechnet: Abstiegszone plus personelle Leere gleicht Zukunftslos. Hamburg ist der sicherere Hafen – und vielleicht die letzte echte Machtoption für Kehl, bevor das Label „BVB-Abgang“ länger an ihm klebt.

Die Verhandlungen laufen still. Kehl berät sich mit Beratern, der HSV hält Karten eng an die Brust. Doch eines steht fest: Wenn der ehemalige Kapitän der Borussia an die Elne wechselt, wird er nicht nur Posten besetzen, sondern ein Statement setzen. Für Hamburg wäre es der erste große Coup seit Jahren. Für Kehl der Beweis, dass er nach Dortmund nicht nur weg, sondern vor allem weitermachen will. Die Uhr tickt – und der HSV weiß: Spätestens nach der Relegation ist Entscheidungstag.