Scudetto-rallye: inter lässt milan und napoli stehen – die meister-träume platzen
Ein Schlag ins Kontor für alle Nicht-Inter-Fans: Nach dem Lazio-Patzer des AC Milan beträgt der Rückstand der Rossoneri neun Spieltage vor Schluss acht Zähler, der SSC Napoli hinkt sogar neun Punkte hinterher. Drei Stimmen, ein Urteil – zu viel.
Capello, mauro und stramaccioni ziehen die reißleine
Fabio Capello, sonst Meister im Aufziehen von Meister-Träumen, pfeift die Jagd sofort ab. „Inter ist nicht nur vorne weg, sie spielt auch langsames, kontrolliertes Tempo. Wer da noch glaubt, das aufzuholen, muss seine Brille wechseln.“ Die Worte klingen wie ein Seitenhieb auf Stefano Pioli und Luciano Spalletti, die in den letzten Wochen mehr Zeit mit Schadensberichten verbrachten als mit Taktik.
Andrea Stramaccioni, einst Inter-Coach, heute Realist, räumt ein: „Klar kann der Milan noch hoffen, aber er hat die Saison in der ersten Hälfte versenkt.“ Gemeint sind jene verlorenen Punkte gegen Benevento oder Cremonese, Spiele, die Meister entscheiden, bevor der Winter die Trikots austauscht.
Massimo Mauro schiebt dem Napoli einen Extradämpfer hinterher. „Ohne den ganzen Lazarett-Sturm wäre die Tabelle enger. Aber Verletzungen sind kein Zufall, sondern Folge von Kaderplanung und Belastungssteuerung.“ Ein Satz, der in den Ohren von Präsident Aurelio De Laurentiis klingt wie ein Gewitter.

Die meister-formel ist gnadenlos einfach
Inter muss nur noch drei der restlichen neun Partien verlieren, damit Milan oder Napoli rechnerisch rankommen. Die Nerazzurri haben in dieser Saison aber erst zweimal hintereinander Punkte liegen gelassen – und das im September. Seitdem läuft ihre Maschine mit Öl aus Siegeswillen.
Pioli sparte schon nach der 0:0-Pleite gegen Lazio mit Kraft, ließ Rafael Leão bis zur 70. Minute ruhen. Die Rechnung ging nicht auf. Spalletti rotierte in Verona, sah trotz Sieg keine Lücke schmelzen. Beide Trainer wissen: Sie jagen nicht mehr, sie beten.
Der Kalender hilft nicht: Milan trifft auf Roma und Atalanta, Napoli muss nach Turin und Bergamo. Inter bekommt Udinese, Empoli und Lecce – Teams, die entweder den Klassenerhalt sichern oder den Urlaub planen.

Die italienische presse kocht schon das epitaph
„Scudetto? Bereits geschrieben“, titelt La Gazzetta dello Sport und druckt nebenan ein Foto von Lautaro Martínez, der den Pokal schon in der Hand hält – als Fingerzeig für Photoshop-Künstler. Tuttosport kontert mit einem Römer-Spruch: „Aufholen ist kein Sport, es ist ein Wunder.“
Die Buchmacher shorten Inter auf 1,08, Milan steigt auf 19,00, Napoli gar auf 34,00. Die Quoten sind keine Prognose mehr, sie sind ein Spiegel der Resignation.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer zu viele Punkte verschenkt, bekommt sie nicht mehr geschenkt. Die Meisterschaft ist kein Marathon, sie ist ein Sprint gegen die eigene Fehlerquote. Inter hat früh aufgepasst, die Konkurrenten haben geschlafen. Jetzt wacht ganz Italien auf – und sieht schwarz-Blau.
