Alzheimer beginnt 10 jahre früher – diese krankheiten warnen zuerst

Das Gehirn schweigt jahrelang, während es sich langsam verändert. Dann, wenn die Erinnerungen zu bröckeln beginnen, ist der Schaden längst angerichtet. Eine neue Großstudie des Vanderbilt Health hat jetzt über 70 Erkrankungen identifiziert, die bis zu einem Jahrzehnt vor der Alzheimer-Diagnose auftreten – und das Bild, das sich dabei zeigt, ist erschreckend klar.

Was die daten von 150 millionen menschen verraten

Das Forscherteam um Professor Xue Zhong hat für diese Analyse die Datenbank MarketScan ausgewertet – ein amerikanisches System mit Krankenakten von über 150 Millionen Personen. Die Kerngruppe: 43.508 Alzheimer-Patienten, verglichen mit mehr als 400.000 gesunden Menschen gleichen Alters und Geschlechts. Die Ergebnisse wurden anschließend an einem unabhängigen Datensatz von rund drei Millionen Patienten überprüft. Das ist keine kleine Pilotstudie. Das ist Epidemiologie in industriellem Maßstab.

Die identifizierten Vorerkrankungen lassen sich in vier Hauptgruppen bündeln: psychische Störungen, neurologische Erkrankungen und Schlafprobleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Besonders häufig tauchen auf: Depression, Schlaflosigkeit, Schlafapnoe, Bluthochdruck und zerebrale Arteriosklerose. Wer diese Diagnosen kennt, kennt auch einen Teil des Risikoprofils.

19 Erkrankungen mit direktem genetischem bezug zu alzheimer

19 Erkrankungen mit direktem genetischem bezug zu alzheimer

Der Befund geht aber tiefer als bloße Koinzidenz. Durch den Abgleich mit genetischen Daten aus zwei Biobanken – dem BioVU von Vanderbilt und der UK Biobank – stellten die Forscher fest, dass 19 der identifizierten Erkrankungen mit genetischen Varianten verbunden sind, die das Alzheimer-Risiko erhöhen. Das bedeutet: Einige dieser Vorerkrankungen sind möglicherweise keine bloßen Vorboten, sondern teilen mit Alzheimer gemeinsame biologische Wurzeln. Ein Unterschied, der therapeutisch alles verändert.

Zhong formuliert es nüchtern, aber mit Nachdruck: „Wenn wir das vollständige Bild aller Erkrankungen kennen, die Alzheimer um zehn oder mehr Jahre vorausgehen, könnten wir eingreifen, bevor Gedächtnisverlust oder kognitiver Abbau überhaupt sichtbar werden.