Schäfer zittert sich den sieg: leipzig gewinnt, aber die freude bleibt aus
Die Nacht war kalt
, die Stimme von Marcel Schäfer noch kälter. 2:1 gegen Augsburg, drei Punkte, Platz fünf – und trotzdem roch es im Mixed-Zone nach Alarm. „Das war das erste Mal, dass ich in der 90. Minute nicht mehr saß“, sagte der Sport-Geschäftsführer von RB Leipzig. Statt zu jubeln, rutschte er auf dem Stuhl hin und her, sah aus wie ein Mann, der sich fragt, warum das eigene Team erst in der Schlussphase aufwacht.Was war passiert? Leipzig dominierte 70 Minuten lang nur die Statistik, nicht das Spiel. Augsburg führte durch einen Konter, Leipzig lief hinterher. Dann Yan Diomande, 76. Minute, ein Schuss, der wie ein Befreiungsschlag klang. Und weil das Fußball-Skript manchmal sein eigenes Drama schreibt, bugsierte Arthur Chaves den Ball in der Nachspielzeit ins eigene Netz. 2:1, Endstand, aber kein Happy End.
Die tabelle lügt nicht – und schäfer auch nicht
„Wir haben Glück gehabt, mehr nicht“, sagt Schäfer. Die Zahlen bestätigen ihn: 47 Punkte nach 26 Spielen, das ist das schlechteste RB-Konto seit 2019. Die Defensive wackelt, die Chancenverwertung ist eine Lotterie. „Wenn Stuttgart und Hoffenheim uns so bestrafen, werden die Dinger reinhauen, kaltblütig, keine Gnade“, warnt er. Am nächsten Samstag gastiert der VfB mit Deniz Undav und Ermedin Demirovic, beide bereits zweistellig im Tor-Konto. Dann reist die TSG ins Red-Bull-Arena, mit 49 Zählern direkt vorbei.
Die Stimme des Managers wird rauer. „Vertrauen habe ich, klar. Aber Vertrauen reicht nicht, wenn wir so auftreten.“ Er spricht von Laufwegen, die nicht passen, von Zweikämpfen, die halbherzig geführt werden. Trainer Marco Rose stapft vorbei, nickt nur. Auch er weiß: Der „Willenssieg“ ist ein Etikett für eine Leistung, die sich nicht wiederholen darf.

Die champions-league-tür wird enger
Vier Punkte trennen Leipzig von Platz vier, acht Spiele bleiben. Die Rechnung ist einfach: Wer zwei Mal verliert, darf sich auf Europa League einstellen. Schäfer redet nicht vom Titel, nicht mal vom Top-3-Ziel. „Wir müssen erst mal wieder 90 Minuten lang die Mannschaft sein, die wir versprechen.“
Die Uhr tickt. Am Dienstag Training, am Mittwoch Videoanalyse, am Donnerstag Gegner-Check. Und irgendwann zwischen Sprint- und Spielform muss die Erkenntnis reifen: Punkte retten keine Saison, nur Leistung tut es. Schäfer hat seinen Stuhl wieder gefunden – doch bis er in der 90. Minute ruhig sitzt, dauert es mindestens zwei Wochen, vielleicht länger. Leipzig gewinnt, aber die Freude bleibt im Keller. Dort, wo die Saison entschieden wird.
