Savicevic: genialität, egos und ein tor für die ewigkeit
Dejan Savicevic, der Mann, dessen Name untrennbar mit dem magischen Milan der 90er Jahre verbunden ist, blickt zurück. Sein neues Buch enthüllt nicht nur die spektakulären Momente, sondern auch die Turbulenzen und persönlichen Kämpfe eines Fußballgenies. Ein Porträt eines Künstlers auf dem Platz, der sich dem System widersetzte und dabei unvergessliche Momente schuf.
Ein wirbelwind auf dem rasen: dribblings, finten und pure magie
Fabrizio Salvio hat Savicevic im Rahmen der Buchvorstellung in Mailand getroffen – ein Treffen mit einer Legende. Wer ihn live erlebt hat, erinnert sich an seine einzigartige Spielweise: Eine fast schon unkonventionelle Gangart, die den Gegner in den Wahnsinn trieb. Der Ball klebte an seinem linken Fuß, während er mit einer Finta den Verteidiger ausmanövrierte und ihn in die Irre führte. Enge Dribblings, Ballkontrolle mit der Sohle, und die Rückkehr zum Gegner, um ihn erneut mit einer neuen Täuschung zu überraschen – Savicevic definierte den Begriff „Fußballkunst“ neu. In einer Zeit, in der der Fußball immer mehr auf Kraft und Geschwindigkeit ausgerichtet war, stand Savicevic für die reine Ästhetik des Spiels.
Seine Karriere war geprägt von Verletzungen und taktischen Auseinandersetzungen, doch in seinen besten Momenten war er schlichtweg unvergleichlich. Ein Beweis dafür lieferte das Champions-League-Finale 1994 gegen den FC Barcelona, das der Mailänder Klub mit 4:0 gewann. Savicevic erzielte das 3:0 mit einem präzisen Lupfer über Zubizarreta – ein Tor, das in die Geschichte einging. „In meinem Kopf wusste ich bereits, wo der Ball landen würde, im selben Moment, als ich ihn traf“, erinnert sich Savicevic.

Rivalität und respekt: das verhältnis zu fabio capello
Doch Savicevic war nicht nur ein brillanter Spieler, sondern auch eine Persönlichkeit mit starkem Willen. Seine Vision vom Fußball war so einzigartig, dass er bereit war, dafür in Konflikt mit seinem Trainer Fabio Capello zu geraten. Er wollte spielen, seine Kunst zeigen, und ließ sich nicht von taktischen Zwängen einschränken. Seine Leistungen sprachen für sich: Drei Meistertitel, der Champions-League-Sieg, die UEFA Super Cup und drei italienische Super Cups – eine beeindruckende Bilanz, die seine Klasse beweist.
„Savicevic war animalisch göttlich“, schwärmt sein ehemaliger Mitspieler Zvonimir Boban in der Einleitung zum Buch. Eine Beschreibung, die dem Spielstil des Montenegroer perfekt gerecht wird. Er verkörperte eine Art Fußball, die man heute vermisst – einen Fußball voller Kreativität, Leidenschaft und unberechenbarer Momente.
Obwohl er nicht die Karriere hinlegte, die er aufgrund seiner Verletzungen vielleicht hätte haben können, bleibt Dejan Savicevic eine Legende. Er war ein Künstler auf dem Rasen, ein Rebell gegen das System und ein Mann, der den Fußball mit seiner einzigartigen Spielweise bereicherte. Ein Fußballer, der uns immer wieder daran erinnert, dass es im Leben nicht nur um Siege geht, sondern auch um die Schönheit des Spiels.
Heute bewundert Savicevic Spieler wie Messi, Ronaldo und Neymar, findet aber in Yamal, dem jungen Talent von Barcelona, eine besondere Ähnlichkeit. „Er hat etwas Besonderes“, sagt Savicevic. „Er erinnert mich ein wenig an mich selbst.“
Und während die Fußballwelt sich weiterentwickelt, bleibt Savicevic ein Symbol für eine vergangene Ära – eine Ära, in der der Fußball noch mehr Kunst und weniger Taktik war. Eine Ära, in der Spieler wie er die Herzen der Fans eroberten und den Fußball zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.
