Ceccon: vom weltrekordler zum heimweh-athleten – europas beckt!
Thomas Ceccon, der gefeierte Olympiasieger über 100m Rücken, scheint sich in einer überraschenden Phase der Selbstfindung zu befinden. Nach einer Weltreise, die ihn von Australien bis China führte, sehnt er sich nach der Geborgenheit seines Zuhauses und stellt seine sportliche Motivation in Frage – kurz vor den bevorstehenden Europameisterschaften.
Die rückkehr und der überraschende auftritt in riccione
Die Bilder des bärtigen Ceccon, der aus einer Wanderung in die Heimat zurückkehrt, wirken fast surreal. Nach Monaten des Reisens und Wettkämpfens, gespickt mit Trainingseinheiten unter südlicher Sonne, scheint die Routine zu locken. Doch sein Auftritt bei den italienischen Meisterschaften in Riccione war alles andere als souverän. Mit einem eher widerwilligen Ausdruck angetreten, musste er sich überraschend den jüngeren Konkurrenten Daniele Del Signore und Matteo Venini geschlagen geben. Ein Szenario, das kaum jemand erwartet hätte.

„Ich habe die nase voll vom weltunterreisen“: ceccons suche nach balance
Ceccon selbst räumt ein, dass er sich nach einer Phase der ständigen Bewegung nach Ruhe und Kontinuität sehnt. „Ich habe die Nase voll vom Weltunterreisen, ich will nach Hause“, gesteht er offen. Diese Aussage ist mehr als nur ein spontaner Ausruf; sie spiegelt eine tiefere Sehnsucht nach Normalität und Stabilität wider. Denn einerseits ist er der Mann, der die Welt im Schwimmbecken dominieren kann, andererseits gesteht er, einfach mal nicht zu wissen oder ein starkes Verlangen nach Zuhause zu spüren.

Die australische erfahrung: mehr als nur training
Ein entscheidender Bestandteil seiner Reise war der Aufenthalt in Australien, wo er unter der Leitung des renommierten Trainers Dean Boxall trainierte. Ceccon berichtet, dass ihm diese Erfahrung wertvolle Einblicke in die Trainingsmethoden und die sportliche Mentalität im Ausland gewährt hat. „Es hat mich bewusster gemacht, welche Unterschiede es zwischen uns und ihnen gibt“, so Ceccon. Dabei fällt auch die finanzielle Seite ins Gewicht: Im Ausland muss man für professionelles Training bezahlen – eine Praxis, die Ceccon als grundsätzlich richtig ansieht. „Im ganzen Welt bezahlst du. Und es ist richtig. Du bezahlst den Trainer, die Leistungen. Wenn er der Beste ist, bezahlst du ihn.“

Die stärken italiens und die notwendigkeit der anpassung
Trotzdem betont Ceccon die Stärken des italienischen Schwimmsports. „Wir sind unglaublich stark“, sagt er überzeugt. Er sieht jedoch auch Verbesserungspotenzial, insbesondere in Bezug auf die Infrastruktur und die Organisation. „In Australien sind die Gruppen größer, die Trainingsintensiver.“ Er selbst habe in Italien oft alleine trainiert, während er aktuell in einer Gruppe von vier bis fünf Athleten trainiert. Ceccon hat bereits einige kleine Veränderungen in sein Training integriert, darunter die Einführung von Musik und einem schriftlichen Trainingsplan – Details, die den Unterschied ausmachen können.

Europameisterschaften und die ambitionen für die zukunft
Mit den Europameisterschaften in Paris vor der Tür liegt der Fokus nun auf der Vorbereitung und der optimalen Wettkampfstrategie. Ceccon hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Er möchte sowohl über 100 als auch über 200m Rücken erfolgreich sein. Der ungarische Schwimmer Kristóf Milák stellt dabei eine ernstzunehmende Konkurrenz dar. Das 50m-Rücken wird er separat bewerten. Und er blickt bereits auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, wo er möglicherweise ein Trainingslager in Flagstaff in Erwägung zieht.
Sein Weltrekord über 100m Rücken, aufgestellt 2022 in Budapest, ist für Ceccon zwar ein schöner Erinnerungswert, doch er ist sich bewusst, dass er nicht ewig Bestand haben wird. „Es war der Startschuss, aber er wird nicht lange dauern“, mutmaßt er. Und er fügt hinzu: „Die Russen sind zurück. Ich habe meinen Freund Kolesnikov gesehen: wir werden sehen, was er machen wird.“
Am Ende steht die Erkenntnis, dass Thomas Ceccon ein Athlet ist, der sich nicht in Schema F pressen lässt – ein Mensch voller Talente und Überraschungen. Seine Reise hat gerade erst begonnen, und die Welt des Schwimmsports kann sich auf weitere spannende Kapitel freuen.
