Sandra flunger verlässt schweizer biathlon-team – ende eines triumph-zyklus
Die Frau, die die Schweiz zum Biathlon-Weltniveau führte, packt ihre Skistiefel ein. Sandra Flunger, 43, verabschiedet sich nach acht Jahren aus dem Swiss-Ski-Camp – mit einem Lächeln, das fast weh tut.
„Ich gehe, weil ich weiter will“, sagt sie knapp. Der Verband zitiert sie ausführlicher: „Ein zweiter Olympia-Zyklus ist komplett. Länger als gedacht, intensiver als erwartet.“
Die bilanz: fünf podestplätze, ein klassenaufstieg
Unter Flunger erstarrte die Schweiz nicht mehr im Schneegestöber. Erstmals seit einem Jahrzehnt stand eine Athletin wieder im Einzel-Top-3. Die Mixed-Staffel siegte, die Damen-Staffel fuhr ihren ersten Weltcup-Podest. In der Nationswertung kletterte das Team von Rang neun auf fünf – eine Statistik, die lautet: 45 Prozent mehr Punkte, 200 Tage zusätzliches Hochleistungstraining, ein Budget, das sich fast verdoppelte.
Was niemand schreibt: Flunger war die erste Trainerin, die die Schweizer Läuferinnen an die Sturmglocken des Schießstandes führte. Statt 150 Herzschläge schafften sie 90. Die Trefferquote stieg von 74 auf 83 Prozent. Kleine Zahlen, große Wirkung.

Die zukunft: ein job irgendwo, nur nicht hier
SRF berichtet, Flunger habe „eine Stelle im Ausland“ sicher. Norwegen? Frankreich? Das schweigt sie. Fakt ist: Schweden sucht einen Nachfolger für Wolfgang Pichler, Frankreich überprüft die Co-Trainer-Struktur. Die Österreicherin, die einst selbst als Biathletin Weltcups bestritt, gilt als Kandidatin Nummer eins auf drei Listen.
Swiss-Ski drückt die Tränen weg. Präsident Urs Lehmann dankt für „eine Epoche der Stabilität“. Was heißt: Ohne Flunger wäre das Damen-Team heute wieder da, wo es 2016 war – im Niemandsland der Verfolgung.
Die Nachfolge? Offen. Interne Lösung: Patrick Obrist, bisher Junioren-Coach. Externe Lösung: ein finnischer Übungsleiter, der vor zwei Jahren noch die Russinnen betreute. Entscheidung „zu gegebener Zeit“, sagt der Verband. Das klingt nach: wenn der Schnee schmilzt.
Flunger selbst fliegt nächste Woche nach Östersund. Nicht um zuzuschauen, sondern um anzufangen. „Ich nehme nichts mit außer zwei Koffern und den Zahlen im Kopf“, sagt sie. Die Zahlen sprechen: 327 Weltcup-Einsätze, 12 Podestplätze, ein Olympia-Zyklus ohne Krise. Für die Schweiz ist das Kapitel zu Ende. Für sie beginnt ein neues – irgendwo, wo die Loipe länger und die Druckwelle größer ist.
