Urs meier fordert var-abschaffung: „die zahl der eingriffe explodiert“

Urs Meier hat genug. Der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter schlägt das Tempo hoch und fordert nichts Geringeres als das Aus für den Video Assistant Referee. „Das wünsche auch ich mir schon lange“, sagt der 67-Jährige im Interview mit ran. Der Grund: Die Pfeife am Bildschirm greift immer häufiger ein – und verändert das Spiel bis zur Unkenntlichkeit.

Der var ist zum selbstläufer geworden

Einmal war der Videobeweis die Rettung für klare Fehlentscheidungen. Heute? Eine Maschine aus Regelstudien und Millimeter-Maß. Meier spürt den Konflikt zwischen UEFA und FIFA. Die UEFA will zurück zur ursprünglichen Idee, die FIFA öffnet Tür und Tor für noch mehr Eingriffe. „Das halte ich für den falschen Weg“, donnert Meier. Die Folge: Spieler jubeln erst nach Blick in den Monitor, Fans verstehen die Entscheidungen nicht, und selbst Experten verlieren den Faden.

Lo que nadie cuenta es que die Handspiel-Regel laut Meier ohnehin ein Konstruktionsfehler ist. Ein Angreifer wird sofort bestraft, ein Verteidiger darf über Absicht diskutieren. „Ich sage schon seit ihrer Einführung, dass sie keinen Sinn ergibt“, so Meier. Die Regel ist nicht nur unfair, sie verzerrt das Spiel. Tore werden zurückgenommen, weil der Ball eine Schulter berührt – während auf der anderen Seite Ellenbogenchecks mit Gelb davonkommen.

Hoeneß und der alte reflex

Hoeneß und der alte reflex

Bayern-Patriarch Uli Hoeneß hatte Schiedsrichter Christian Dingert nach dem 1:1 gegen Leverkusen heftig kritisiert. Meier wehrt ab. „Uli Hoeneß hat in der Vergangenheit öfter Druck auf Schiedsrichter ausgeübt“, erinnert er. Die Szene: hart, aber nicht mehr Spielraum als ein Millimeter. Dennoch wird der Unparteiische angegangen. Das Signal: Der VAR schützt nicht vor Shitstorms, er schürt sie erst.

Die Zahlen sprechen für sich: In der laufenden Saison nahm die Anzahl der VAR-Reviews um 18 Prozent zu. Die Dauer einer Überprüfung stieg im Schnitt auf 92 Sekunden. Die Fans? Im Stadion warten sie, vor dem Bildschirm rutschen sie auf dem Sofa nach vorn. Das Spiel verliert seinen Flow, der Jubel seine Unmittelbarkeit. Meier sieht die Lösung nicht in neuen Regeln, sondern in radikaler Kür: „Weg mit dem VAR, zurück zum menschlichen Fehler – dafür stehe ich.“

Die Debatte ist eröffnet. Die FIFA wird nicht einlenken, die UEFA wird weiterhin versuchen, zwischen Tradition und Technik zu balancieren. Aber eines ist klar: Wer heute ein Tor erzielt, feiert erst einmal mit angehaltenem Atem. Und genau das ist der Punkt, an dem Meier die Geduld verliert.