Iranerinnen trainieren in australien – ihre familien bleiben als druckmittel

Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh laufen seit Montag beim Brisbane Roar mit. Der Klub jubelt auf Twitter – doch hinter dem Foto mit den beiden neuen Trainingsgästen steckt ein Schatten, der größer ist als der australische Sommer.

Die hymne war der funke

Beim Auftaktspiel der Asienmeisterschaft schwiegen sie. Kein Ton aus sieben Kehlen, während die iranische Hymne plärrte. Die Bilder gingen durch Tehran wie ein Stromschlag. Wenige Tage später beantragten sie Asyl – sieben Spielerinnen, ein Team, eine Rebellion. Jetzt sind es nur noch zwei, die in Brisbane bleiben dürfen. Die anderen fünf, darunter Kapitänin Zahra Ghanbari, sind zurück. „Freiwillig“, behauptet die Staatsagentur IRNA. Wer die Nachrichten aus Iran kennt, weiß, was das heißt: Drohanrufe, Beschlagnahmung von Wohneigentum, Drohungen gegen Geschwister, die noch zur Uni gehen.

Kaz Patafta, Geschäftsführer des Roar, spricht von einem „unterstützenden Umfeld“. Das klingt nach CSR-Broschüre. Tatsache ist: Die beiden 24 und 26 Jahre alten Profis dürfen nur trainieren, keinen Vertrag unterschreiben. Die A-League verlangt eine International-Clearance, die der iranische Verband blockiert. Also kicken sie mit der U-21-Mannschaft, um fit zu bleiben, während ihre Agenten beim Weltverband FIFA ein Freigabeverfahren vorbereiten. Das dauert Monate.

Der preis der freiheit liegt bei 1.400 euro

Der preis der freiheit liegt bei 1.400 euro

So viel zahlt Brisbane Roar pro Woche für Polizeischutz, Hotel und Verpflegung. Die Kosten trägt ein anonymer Sponsor aus der australischen Bergbauindustrie. Er nannte keine Bedingungen, nur einen Satz: „Mädchen sollen spielen, wo sie wollen.“ Das klingt einfach, ist es nicht. Denn selbst in Australien trauen sich Pasandideh und Ramezanisadeh nicht, Instagram-Storys zu posten. Ihre Accounts bleiben stumm, die Kommentarfunktion ausgeschaltet. Zu groß die Angst, dass ein Onkel oder Cousin in Isfahan die Bilder sieht und zur Rechenschaft gezogen wird.

Die FIFA schweigt. Der iranische Verband auch. Stattdessen kursiert in Teheran ein Gerücht: Wer zurückkehrt, bekomme eine Startelf-Garantie für die WM-Quali. Die Wahrheit liegt in den WhatsApp-Chats der Familien, und die sind verschlüsselt wie ein Staatsgeheimnis. Was bleibt, ist ein Training um 7 Uhr morgens auf dem Suncorp-Stadion, wo zwei Frauen gegen 20 australische Talente sprinten, als ginge es um ihr Leben. Weil es das tut.