Ramon untersander flüchtet sich in die genfer arena – und bern droht die defensiv-pleite
Die Nachricht traf den SCB mitten ins Herz. Kurz nach 8 Uhr donnerstags bestätigte der Club, was sich seit Wochen anbahnte: Ramon Untersander, elf Jahre Fels in der Berner Brandung, wird mit sofortiger Wirkung freigestellt. Der 35-Jährige unterschreibt bei Genève-Servette für zwei Jahre – und schon jetzt wird klar: Das Nachbeben wird Bern noch länger erschüttern.
Ein captain geht, ein machtgefüge bröckelt
Als Untersander 2013 aus dem Tessin an die Aare wechselte, war er ein mobiler Defensivschlager mit Torgefahr. Am Ende war er mehr: Stimme in der Kabine, Puffer gegen Druck, Captain mit 92 Nationalteam-Caps im Rücken. Die Trennung war absehbar, doch die Geschwindigkeit frisst. Marc Gautschi, Sportchef der Genfer, schwärmt wie ein Fanboy: „Seine Ruhe mit Puck, seine Führung – das passt exakt in unsere DNA.“ Die DNA des GSHC heißt: Final, Titel, sofort.
Bern dagegen schaut in ein Loch. Die Defensive um Dean Kukan und Ramon Untersander war das letzte Standbein einer Saison, die im Halbfinale gegen Zug versagte. Jetzt fehlt der Rechtsfuss, der in Überzahl die blaue Linie beherrschte und in Unterzahl die Schlittschuhe in die Schusslinie warf. Die Vertragsauflösung spart Gehalt, doch der Nachholbedarf ist gewaltig – und der Markt leergefegt.

Der domino beginnt zu fallen
Weil Untersanders Abgang die Genfer Abwehr überbesetzt macht, könnte Lausanne plötzlich mit dem GSHC statt mit dem SCB verhandeln. Hinter den Kulissen brodelt es: Romain Loeffel soll nur nach Lausanne, Connor Hughes nur nach Bern. Doch jetzt, so berichten Insider, bietet Genève Servette vielleicht einen anderen Verteidiger an – und Loeffel-Berater Gaëtan Voisard pokert immer noch um ein besseres Kontrakt-Paket. Die Uhr tickt. Die Transferfrist rückt näher. Und John Fust, Sportchef des LHC, braucht dringend frische Beine, sonst verpasst auch er den Anschluss an die Top-Four.
Derweil stapft Untersander durch den Flughafen Cointrin, Koffer voller Erfahrung, Kopf voller Ziele. In Genf wartet ein Team, das sich selbst als „Projekt Champions League“ versteht. In Bern bleibt ein Loch – und die Erkenntnis, dass manchmal nicht der Abschied weh tut, sondern die Leere danach.
Die National League hat ihren ersten Paukenschlag der Sommerpause erlebt. Die nächsten folgen garantiert. Und wenn der Puck im September rollt, wird sich zeigen, ob der SCB nur einen Spieler verlor – oder sein Rückgrat.
