San siro bebt alte dämonen: kann allegri die drohende krise abwenden?
Die Luft in San Siro ist wieder geladen, schwer von Erinnerungen, die sich hartnäckig weigern zu verblassen. Die Geister vergangener Finales, die Enttäuschungen und verlorenen Hoffnungen – sie scheinen in den Mauern des Stadions zu lauern und drohen, die aktuelle Saison des AC Mailand zu überschatten. Denn plötzlich, wo doch erst vor wenigen Wochen noch die Meisterschaft in greifbarer Nähe schien, keimt die Angst vor einer bitteren Wiederholung auf.
Die schatten der vergangenheit: osvaldo, nainggolan und das böse erwachen
Die Namen Osvaldo und Nainggolan hallen in den Köpfen der Rossoneri-Fans wider. 2008 das bittere Ausscheiden in der Champions League durch das Tor des Fiorentina-Stürmers, 2019 der entscheidende Treffer von Nainggolan, der dem Inter den Meistertitel sicherte, während der AC Milan leer ausging. Diese Momente sind mehr als nur Sportgeschichte; sie sind Mahnmale, die daran erinnern, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Die jüngsten Ergebnisse des Mailänder Teams befeuern diese Ängste zusätzlich.
Nach dem überzeugenden Derbysieg Anfang März schien der Aufstieg zum Titelrennen besiegelt. Der Kalender des Inter präsentierte sich günstig, und die Hoffnung auf eine erfolgreiche Rückrunde war groß. Doch die Realität sieht düster aus. Die „Gazzetta dello Sport“ analysiert die alarmierenden Schwächen in der aktuellen Spielweise des Teams. Drei Niederlagen aus den letzten vier Partien – ein erschreckender Trend, der bereits vor der jüngsten Pleite gegen Sassuolo erkennbar war.
Allegri steht unter Druck, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Der Rückstand auf Juventus Turin beträgt lediglich drei Punkte, auf Como fünf, auf die Roma sechs – das Spiel gegen Inter ist also entscheidend. Aber die Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Die Leistungen des Teams sind angesichts der Konkurrenz enttäuschend.
Die Roma, ebenso wie andere Teams, präsentieren sich in besserer Verfassung. Die Frage, die sich jeder Milan-Fan stellt, ist: Welches Gesicht zeigt der AC Milan auf dem Platz? Ein Team, das in der Lage ist, den Inter zu besiegen, oder ein unberechenbares Konstrukt, das gegen vermeintlich schwächere Gegner die Punkte verspielt?
Die kommenden Aufgaben sind zwar nicht als unüberwindbar einzustufen, doch die Unsicherheit nagt an den Nerven. Das Auswärtsspiel in Verona, gefolgt vom direkten Duell mit Juventus Turin am 26. April, werden richtungsweisend sein. Auch die Partien gegen Sassuolo, Atalanta, Genoa und Cagliari werden entscheidend sein, während Como und Napoli für den Inter die Hürden darstellen. Juventus Turin trifft auf Fiorentina und Torino, und die Roma muss gegen Atalanta, Bologna, Fiorentina und das Derbys antreten.

Defensive schwächen und fehlende torinstinkt: die probleme liegen tief
Die Probleme des AC Milan sind vielfältig. Neben der fehlenden Konstanz in der Defensive, wo Modric und Rabiot zunehmend an ihre Grenzen stoßen, fehlt es dem Team an Durchschlagskraft im Angriff. Leao, Nkunku, Pulisic, Füllkrug und Gimenez – die Summe der Einzelspieler ergibt kein funktionierendes Kollektiv, kein zuverlässiges Torjäger-Duo. Die letzten vier Niederlagen unterstreichen diesen Mangel an Kreativität und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.
Die Erinnerung an Allegris Entlassung bei Juventus Turin, nur zwei Spieltage vor Saisonende, ist noch frisch. Damals konnte er lediglich zwei von 15 Spielen gewinnen. Eine ähnliche Entwicklung im Mailänder Dress wäre fatal. Der Fokus muss auf dem vierten Platz liegen, der die Teilnahme an der Champions League sichert und einen finanziellen Unterschied von 30 bis 40 Millionen Euro bedeutet.
Die Lösung liegt in mehr Ordnung und Klarheit im Spiel. „Wir müssen wieder disziplinierter und konzentrierter agieren, die Kontrolle über die Partien zurückgewinnen“, fordert Allegri. Ricci ergänzt: „Wir müssen die Vergangenheit vergessen und uns auf das konzentrieren, was wir bisher erreicht haben.“ Die Rückkehr von Gabbia und die mögliche Umstellung auf eine Dreierkette könnten hier Abhilfe schaffen.
Rabiot, Maignan und Tomori müssen die Verantwortung übernehmen und das Team in den entscheidenden Momenten führen.
Am Ende des Tages zählt nur der Sieg. San Siro blickt besorgt auf die Tabelle und das letzte Spiel gegen Cagliari. Allegri behält zwar die Kontrolle, doch die Angst vor dem Scheitern ist spürbar. „Wir müssen auch im letzten Spiel gegen Cagliari den Mut bewahren und kämpfen – nur so können wir unser Ziel erreichen“, betonte Allegri nach der Partie.
