Salamander kornwestheim sagt nein zum aufstieg: tabellenführer der 3. liga süd stoppt traum
38:10 Punkte, Platz 1, klarer Favorit – und trotzdem bleibt alles, wie es ist. Der SV Salamander Kornwestheim verzichtet auf die Aufstiegsrunde zur 2. Handball-Bundesliga. Die Entscheidung ist kein Protest, sondern eine nüchterne Einschätzung der Realität. Eine Million Euro Etat, LED-Banden, Profi-Boden, Vollzeit-Strukturen – das steht nicht auf der Karte im Kraichgau.
Die salamander rechnen hart, nicht träumerisch
„Wir haben jeden Cent dreimal umgedreht“, sagt Abteilungsleiter Mirko Henel. Das Ergebnis blieb gleich: Fehlbetrag. Der durchschnittliche Zweitligist verschlingt über eine Million pro Saison, Kornwestheim liegt laut internen Papieren bei etwa einem Drittel. Hinzu kommen Zusatzkosten für Reisen, Banden, Personal – und die Tatsache, dass die komplette Abteilung noch auf Ehrenamtler basiert. „Ein Profi-Spielbetrieb mit Laien-Strukturen ist kein Spaß, sondern Zukunftsmusik“, so Henel.
Sportlicher Leiter Pascal Welz schiebt nach: „Wir blockieren keinen Platz, den wir langfristig nicht besetzen können.“ Der Verzicht sei deshalb fair gegenüber Konkurrenten wie Emsdetten oder Dessau, die sich auf den Endspurt freuen. Die Salamander sparen nicht an Leidenschaft, sondern an Konsequenz.

Die infrastruktur lacht nicht mit
Die Schwalbe-Arena in Kornwestheim bietet 1.400 Plätze – für die 3. Liga ausreichend, für die Zweitliga-Vorgaben aber zu klein. Auch die Trainingszeiten sind begrenzt, weil die Halle mehreren Sportarten gehört. Ein Neubau ist im Gespräch, liegt aber Jahre in der Zukunft. „Wir würden in der 2. Liga nicht nur punkten müssen, sondern auch improvisieren – das kann keine Dauerlösung sein“, sagt Welz.
Trainer Alexander Schurr akzeptiert den Rückzieher. „Wir haben eine Traumsaison gespielt, aber Träume müssen auf Fundamenten stehen.“ Die Mannschaft habe im Trainingslager in Österreich noch einmal gemeinsam geweint – vor Wut, vor Stolz, vor Erleichterung. „Jetzt wollen wir die Saison souverän zu Ende bringen und den Pokal mit nach Kornwestheim bringen“, so Schurr. Die Zielsetzung: 40 Punkte und eine Heim-Quote von 90 %.

Die salamander bauen statt zu blasen
Statt aufzusteigen, investieren die Badener intern. Ein neues Sportkonzept sieht eine hauptamtliche Geschäftsstelle vor, Sponsoring-Strukturen sollen 2025 greifen. Der Hauptsponsor Salamander Insurance signalisierte bereits eine Aufstockung, sollte das Konzept überzeugen. „Wir wollen 2026 erneut angreifen, dann mit Zahlen, die nicht lügen“, kündigt Henel an. Bis dahin bleibt der Klub in der 3. Liga Süd – und dort nun der haushohe Favorit auf die Meisterschaft.
Die Konkurrenz atmet auf, die Salamander arbeiten weiter. Wer jetzt denkt, der Sport sei nur Spiel, Spiel, Spiel, irrt: Er ist auch Buchhaltung, Logistik, Hallenbelegung. Und manchmal bedeutet Sieg eben nicht Aufstieg, sondern kluge Planung. In Kornwestheim haben sie verstanden: Nur wer Boden unter den Füßen hat, kann langfristig durchstarten.
